Also übernimmt Sachsens Fraktionschef Holger Zastrow , dessen Landesverband heute das Treffen ausrichtet. "Sie haben ja recht", sagt er ans Publikum gerichtet: "Es nutzt alles nix, wenn uns keiner wählt." Daher müsse die Partei nun in die Hände spucken, Defizite der letzten 15 Jahre aufarbeiten und sich auf sich selbst besinnen. Da könne die FDP vom Landesverband Sachsen lernen, findet Zastrow verschmitzt: Seine Landes-FDP habe immer mal wieder unpopuläre Entscheidungen getroffen, aber für sie eingestanden und sie durchgefochten. "Mir als Liberaler ist klar, dass die Mehrheit mich nicht mag", sagt er lapidar. Seine Anhänger spenden ihm demonstrativen Applaus.

Im Bund sei das Problem, dass "Wort und Tat" nicht zusammenpassten, doziert Zastrow weiter. Aber das neue Team um Lindner und Parteichef Philipp Rösler habe "eine Chance verdient", analysiert er ein wenig gönnerhaft. Lindner verzieht keine Miene.

So geht das noch ein paar Mal an diesem Vormittag. Die Basis lässt Frust ab, Lindner reagiert irritiert und abwehrend, seine Antworten klingen sehr verkopft. Zastrow hingegen umarmt mit langen, teilweise humorvollen Wortbeiträgen die Basis. Er hat auch ein paar Vorschläge in petto: Warum nicht versuchen, die soziale Marktwirtschaft im Grundgesetz festzuschreiben? Das bringt Applaus.

Lindner fühlt sich missverstanden

Lindner guckt gequält. Im Plenum schimpft jetzt ein älterer Liberaler über "Kometenkarrieren" in der Partei, "wo junge Leute in Führungspositionen aufsteigen, die sich nur selbst profilieren wollen." Immer wieder ist in der Diskussion von "Angst" die Rede, die die Menschen vor der Euro-Krise haben. "Steigt endlich aus diesem Euro aus", fordert einer: "Wir müssen in der Finanzpolitik endlich für das Volk sprechen." Lauter Applaus.

Lindner geht nicht darauf ein. Am Ende schiebt er die Schuld an der vielen Kritik auf das kleine Heftchen mit seinem verwegenen Bild darin. Das seien schließlich nur "Auszüge" seiner Thesen gewesen, das habe wohl zu Missverständnissen geführt.

Der Fliege tragende Student in der letzten Reihe ist da ganz anderer Meinung. "Überraschend gut" habe er den Vormittag gefunden, sagt er beim Rausgehen. In der Diskussion sei all das hochgekommen, was einmal gesagt werden musste. Eine weitere Besucherin, 37 Jahre alt und aus Thüringen, hingegen ist enttäuscht. Sie hätte lieber mehr über Inhalte und weniger über Grundsätzliches gesprochen: "Das war eine Frustveranstaltung."