Ganz am Schluss sagt Philipp Rösler es doch. Er hat sich gewunden, die ganze Pressekonferenz lang. Er hat sich tapfer durch die vielen Journalistenfragen gekämpft. Er hat bejaht, dass die Diskussion um Außenminister Guido Westerwelles Zukunft wohl mit schuld ist am desaströsen Abschneiden der FDP in Mecklenburg-Vorpommern . Und er hat sich geweigert zuzugeben, dass er selbst genau diese Diskussion befeuerte. Zum Beispiel, als er seinem ehemaligen Parteichef gönnerhaft "positives Potenzial" in der Außenpolitik bescheinigte.

Das konnte nur nach hinten losgehen. Vielleicht gibt der FDP-Chef genau deswegen bei der zweitletzten Frage dann doch auf: "Ein paar Dinge würde ich künftig anders machen, ja." Rösler blinzelt in den Raum, lächelt scheu. Schnell und trotzig schiebt er hinterher: "Das ist doch typisch menschlich." Am liebsten würde er nun sein Eingeständnis wieder rückgängig machen. Geht es um den Machterhalt, dann ist ein Parteichef nie gut beraten, Fehler zuzugeben.

Rösler, 38 Jahre alt und schon Vorsitzender der Liberalen, war schließlich vor vier Monaten noch der Hoffnungsträger einer "neuen FDP" . Nun steht er vor den Trümmern seiner kurzen Amtszeit. Denn gerade ist die FDP aus dem vierten Landtag geflogen. Als Parteichef trägt Rösler nun die Verantwortung dafür, nicht mehr sein Vorgänger Westerwelle.

Als der FDP-Vorsitzende am Montagmittag mit Verspätung vor die Presse tritt, tagt der Bundesvorstand noch. Hinter den Türen wird wohl heiß diskutiert. Mecklenburg-Vorpommern war zwar nie ein starker Landesverband. Doch die Wahl hat der FDP deutlich gezeigt: Sie ist dabei, bedeutungslos zu werden. An der Ostsee sind die Liberalen nur noch eine Zwei-Prozent-Partei. Zum allgemeinen Schrecken bekam sogar die NPD mehr Stimmen . Auch in Berlin, wo in zwei Wochen gewählt wird, kann die FDP derzeit von der Fünf-Prozent-Hürde nur träumen.

Langsam geht es daher auch um die Frage, ob der deutsche Liberalismus eine Zukunft hat. Philipp Rösler findet, es gebe "absoluten Bedarf" an liberalen Parteien. Er sagt das und übersieht, wie bedenklich es ist, dies öffentlich aus eigenen Stücken und ohne vorherige Frage eines Journalisten zu betonen.

Röslers Vision von der neuen FDP

Mit "solider Sacharbeit" will der Parteichef nun der Krise begegnen. Rösler sagt, er habe da eine Vision: Die FDP solle die "Partei der neuen Bürgerlichkeit" werden. In zwei Wochen werde er der Öffentlichkeit entsprechende politische Ziele präsentieren.

Nach Details befragt, lässt er sich über seine Vision nur dies entlocken: Die neuen Bürgerlichen, das sei die Mitte der deutschen Gesellschaft. Sie hätten keine politische Heimat, unter ihnen seien viele frühere FDP- und heutige Nicht-Wähler. Man erreiche die Gruppe durch moderne Familien- und solide Wirtschaftspolitik. Vor allem aber über eine Politik, die sich in der Euro-Krise für die Stabilität der Währung einsetze. Soweit, so unkonkret. "Es gibt einen Unterschied zwischen Bürgerlichkeit und Spießbürgerlichkeit", fügt Rösler noch geheimnisvoll hinzu: "Es wird meine Aufgabe als Parteivorsitzender sein, das herauszuarbeiten."

Die FDP, die neue Partei der Mitte? Dieses Attribut beanspruchen die Volksparteien doch schon seit langem. Und die behaupten ebenfalls, eine moderne Familien- und eine solide Währungspolitik zu machen.

So ganz sicher ist sich Rösler dann auch wieder nicht. Vor allem die solide Wirtschaftspolitik sei der FDP wichtig, dazu gehörten auch Steuerentlastungen, betont er wenig später. Und eben eine harte Haltung in der Euro-Frage. Das klingt dann wieder nicht nach neuer FDP der Mitte, sondern nach der alt bekannten "Partei der Steuerzahler".