Lang ging's gestern bei den Genossen. Bis "weit nach Mitternacht" habe man in der Schweriner Innenstadt gefeiert, berichtet Landesgeschäftsführer Thomas Krüger am nächsten Morgen, er klingt ebenso stolz wie müde. Von nun an soll aber wieder gearbeitet werden. Der neue und künftige Ministerpräsident, Erwin Sellering , ist bereits in Berlin, um sich dort beglückwünschen und womöglich auch beraten zu lassen.

Schließlich wartet auf die SPD eine zentrale Richtungsentscheidung, die nicht ganz einfach zu treffen ist. Der Wahlgewinn in Mecklenburg-Vorpommern beschert ihr zwar die Freiheit, sich künftig einen Koalitionspartner aussuchen zu können. Gleichzeitig steht sie nun aber auch in der Pflicht, sich zwischen dem bisherigen Koalitionspartner CDU und dem früheren Partner, der Linkspartei, zu entscheiden. Im Wahlkampf hat die SPD diese Frage bewusst offen gelassen, um weder Anhänger des einen noch des anderen Bündnisses zu verprellen. Das wird nun nicht mehr lange möglich sein. Innerhalb der SPD formieren sich bereits die Gruppen, die für eine der beiden Koalitionen werben. Die Jusos, die im Wahlkampf sehr aktiv waren, haben sich am Wahlabend auf die Option Rot-Rot festgelegt. Andere Genossen, oft solche, die mehr Erfahrung haben, warnen dagegen vor einem Partnerwechsel.

Enttäuschungen sind da unausweichlich. Allerdings wird Sellering sich nicht allzu schnell entscheiden. Am Wahlabend hielten sich die Spitzenpolitiker der SPD bedeckt und ließen bewusst keine Präferenz erkennen. Das wird erst mal so bleiben. Bis zur Nachwahl in Rügen am 18. September und der Landtagswahl in Berlin , die am gleichen Tag stattfindet, sei kein Votum zu erwarten, hieß es aus Regierungskreisen. Dennoch werde "ab sofort" verhandelt.

Zunächst treffen sich am heutigen Montag die Gremien der Parteien. Der Landesvorstand und Parteirat der SPD kommen in Rostock zusammen. Sellering wird seine Delegation vorstellen, die mit ihm die Sondierungsgespräche führen soll. Dazu gehören Fraktionschef Norbert Nieszery und Sozialministerin Manuela Schwesig. Die stellvertretende SPD-Chefin gilt als Favoritin für eine mögliche, spätere Nachfolge Sellerings im Laufe der Legislaturperiode. Ob der 61-Jährige 2016 noch einmal antritt, bezweifeln einige Genossen bereits. Möglich auch, dass Schwesig zur Bundestagswahl 2013 nach Berlin wechselt.

Aber zunächst einmal muss die SPD einen Koalitionspartner für die kommenden fünf Jahre finden. Sellering hat am Wahlabend einige Bedingungen genannt, nach denen sich die potenziellen Partner zu richten haben. Fast wirkte es, als sei er streng auf paritätische Fairness bedacht, als er abwechselnd seine Knackpunkte an die Linke und an die CDU formulierte: Keinesfalls werde er von dem Kurs der Haushaltskonsolidierung abweichen, verkündete Sellering. Seit 2006 hat das Land keine neuen Schulden mehr aufgenommen, worauf in Schwerin fast alle sehr stolz sind. Diese Ankündigung richtete sich in erster Linie an die Linken, deren Wahlversprechen teilweise "nicht finanzierbar" seien, wie Sellering befand.