Die Ostseezeitung aus Rostock würdigt den Wahlerfolg der SPD und erklärt ihn mit ihrem Spitzenkandidaten: "Der Strahlemann des gestrigen Abends heißt Erwin Sellering! Der smarte Westfale hat es ohne "Ossi"-Bonus geschafft, einen triumphalen Erfolg in Mecklenburg-Vorpommern einzufahren. Musste sich sein Vorgänger und Ziehvater Harald Ringstorff 2006 mit der SPD noch zum Wahlsieg zittern, ließ Sellering gestern ganz souverän das damalige Ergebnis (30,2 Prozent) und auch die CDU hinter sich. [...] Der zweite Sieger der Wahl sind die Grünen, die den erstmaligen Einzug ins Landesparlament ganz sicher geschafft haben. Es lag die ganze Zeit über in der Luft, dass das Tourismusland MV nach über 20 Jahren deutscher Einheit endlich reif für die Grünen ist. Die schlechte Nachricht kommt vom radikalen Rand: Dass die NPD knapp den Wiedereinzug geschafft hat, schadet dem Image des Nordostens und fordert alle Demokraten heraus. Dennoch: Unser Land ist viel grüner und ein Stück weniger braun geworden."

Die Leipziger Volkszeitung erwartet eine Große Koalition: "Der SPD-Mann Sellering, der aus Westfalen nach Mecklenburg-Vorpommern kam und dort den Ossi-Versteher gibt, hat nun sogar die Wahl, ob er weiterhin mit der CDU regieren oder doch ein neues rot-rotes Experiment mit der Linken starten möchte. Es spricht vieles dafür, dass es in dem wirtschaftlich schwachen Land erneut zu Rot-Schwarz kommen dürfte. Die arg gezauste Partei der Kanzlerin wird so manche Kröte schlucken, nur um Sellering keinen Vorwand für Rot-Rot zu liefern. Und in Schwerin gibt es keine wirkliche Wechselstimmung."

Auch die Frankfurter Allgemeine Zeitung sieht einen deutlichen Wählerwillen zur Großen Koalition: "Wie im März dem Bündnis aus CDU und SPD in Sachsen-Anhalt, so hat der Bürger via Demoskopie und Wahlurne der großen Koalition in Schwerin am Sonntag ein neues Mandat erteilt – freilich mit einer vom Bundestrend arg gebeutelten CDU als Juniorpartner. Dabei waren und sind viele Entscheidungen von der Kreisreform bis zur Schuldenbremse auch in Mecklenburg-Vorpommern nicht populärer als andernorts. Doch lehrt auch diese Wahl, dass es nicht zuletzt an Politikern liegt, ob Bürger das Glas ihrer Chancen und das ihrer Kinder eher halbleer oder halbvoll wähnen – und sei es, dass sie wie Sellering die DDR nicht für einen Unrechtsstaat halten. Die Zeichen stehen daher auf Kontinuität."

Der Berliner Tagesspiegel kritisiert den Wahlkampf der NPD: "Beobachter des Alltags in Mecklenburg-Vorpommern verweisen darauf, die Rechtsextremen würden in den ländlichen Regionen mit Geschick die Rolle des Kümmerers spielen [...] Die Plakate an den Bäumen künden von etwas anderem. In einer Landschaft, deren einziger zuverlässiger Wachstumsmotor der Tourismus ist, wird aber der Fremdenhass, abgesehen von seiner grundsätzlichen Widerwärtigkeit, zum wirtschaftlichen Sorgenfall."

Die Augsburger Allgemeine erklärt den Wahlerfolg der Grünen: "Weil in Mecklenburg-Vorpommern alles länger dauert, haben die Grünen bis gestern warten müssen, bis sie auch in das 16. Landesparlament eingezogen sind. Nun sind sie in allen Landtagen präsent, Ausdruck ihrer Stärke. Dagegen setzt sich der Absturz der FDP fort. Auch der junge Philipp Rösler kann den dramatischen Niedergang der Liberalen nicht stoppen."

Die Mitteldeutsche Zeitung aus Halle ist erfreut über den Erfolg der Linkspartei: "Die bundesweite Skandalisierung des nostalgischen Blicks zahlreicher Linkspartei-Größen auf DDR, Fidel Castro und Kommunismus hat in Mecklenburg-Vorpommern nicht verfangen. Dass der realpolitische Kurs Helmut Holter zurück in die Landesregierung führen wird, ist dennoch unwahrscheinlich. Zu groß ist die rot-schwarze Harmonie. Bleibt die Lehre: Ein Wahlkampf, der solchen Verhältnissen entspringt, begeistert niemanden. Aber zwischen Schlammschlacht und Einschläferung der Bürger müsste es die Möglichkeit vernünftiger politischer Auseinandersetzung geben, die Interesse weckt. Das war an der Küste nicht mehr der Fall. Dieses Versagen sollte die Parteien selbst dann wachrütteln, wenn es die rechtsradikale NPD nicht wieder in den Landtag geschafft hätte." 

Die Frankfurter Rundschau gibt einen Ausblick auf die Bundestagswahlen 2013: "Schneller als erwartet muss sich die SPD nun auf eine Übernahme der Regierungsverantwortung im Bund vorbereiten. Das Ausbleiben des traditionellen Flügelschlagens während dieses Sommers deutet darauf hin, dass die Partei beginnt, dies zu begreifen. Der Sieg von Schwerin zeigt zwei Dinge: Erstens kann die SPD auch mit Pragmatismus gewinnen. Zweitens braucht sie dazu einen populären Spitzenkandidaten. Auch darüber müssen die Genossen nachdenken."