Die Berliner Polizei hat zwei mutmaßliche islamistische Terroristen festgenommen. Ein 24-jähriger Mann soll zusammen mit einem 28-jährigen Komplizen einen Bombenanschlag geplant und dafür Chemikalien bestellt haben, sagte ein Polizeisprecher. Beamte durchsuchten einen islamischen Kulturverein mit Moschee in Berlin-Wedding und die Wohnungen der beiden Männer in Kreuzberg und Neukölln.

Die Ermittlungen der Polizei und der Staatsanwaltschaft liefen schon länger, sagte der Polizeisprecher. "Es geht um den Verdacht der Vorbereitung einer schweren Straftat. Die Männer sollen chemische Substanzen bestellt haben, mit denen es möglich wäre, einen Sprengsatz herzustellen", sagte der Sprecher.

Unbestätigten Berichten zufolge soll der 24-jährige Hauptverdächtige große Mengen von Kühl-Pads bestellt haben. Das darin enthaltene Gel ist in Verbindung mit einer bestimmten Säure hochexplosiv. Details zu der möglichen Bombe wollte die Polizei nicht nennen. Der 24-Jährige ist Deutscher libanesischer Abstammung, der 28-jährige kommt aus dem Gaza-Streifen, seine Nationalität ist unklar.

Ermittlung laufen seit mehreren Monaten

Ob es einen Zusammenhang mit dem bevorstehenden Papst-Besuch oder dem zehnten Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2001 gibt, ist bisher unklar. Nach Informationen von Morgenpost Online läuft das Ermittlungsverfahren seit mehr als zwei Monaten. In Gang gekommen sein soll es durch Hinweise der Firmen, bei denen die Substanzen bestellt worden waren. Den Betreibern in Berlin und in Baden-Württemberg waren dem Bericht zufolge die angeforderten Mengen verdächtig vorgekommen.

Die Polizei gründete einem Bericht des Tagesspiegel zufolge eine Sonderkommission unter dem Namen Regenschauer und ließ den Verdächtigen und seinen mutmaßlichen Komplizen rund um die Uhr observieren. "Uns standen kaum noch Kräfte des mobilen Einsatzkommandos für andere Aufgaben zur Verfügung, weil alle Kräfte für die Terrorzelle benötigt wurden", sagte ein Ermittler der Zeitung. An dem Einsatz waren rund 230 Beamte beteiligt, darunter auch Kräfte der Bereitschaftspolizei und des Sondereinsatzkommandos.

Die Räume des islamischen Kulturzentrums wurden nur durchsucht, weil sich die beiden Beschuldigten dort mehrmals aufgehalten und möglicherweise potenziell gefährliche Substanzen versteckt haben. Es werde nicht gegen den Verein oder dessen Vorstand ermittelt, hieß es aus Sicherheitskreisen.

Wowereit freut sich über "Fahndungserfolg"

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sagte, der Fahndungserfolg zeige, dass die Sicherheitskräfte wachsam seien. Der CDU-Innenpolitiker Wolfgang Bosbach sagte gegenüber n-tv, die Sicherheitslage in Deutschland sei "anhaltend Besorgnis erregend", aber nicht grundlegend verändert.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) wertete die Festnahmen als Hinweis, dass die Terrorgefahr in Deutschland nach wie vor hoch ist. "Wer glaubt, dass sich die Lage normalisiert habe, ist erneut eines Besseren belehrt worden", sagte der GdP-Bundesvorsitzende Bernhard Witthaut.

Bis Ende August hatten die deutschen Sicherheitsbehörden nach den Worten des Chefs des Bundeskriminalamtes (BKA), Jörg Ziercke, acht konkret geplante Anschläge verhindert. Unter anderem zerschlugen die Ermittler 2007 die sogenannte Sauerland-Gruppe, die Autobomben-Anschläge auf US-Ziele in Deutschland plante. 2006 scheiterten Kofferbomben-Anschläge auf zwei Regionalzüge in Westdeutschland, weil die Sprengsätze in den Bahnen von Köln nach Koblenz beziehungsweise Dortmund nicht detonierten. Als Täter wurden zwei Libanesen verurteilt.

Der erste erfolgreiche Anschlag islamistischer Extremisten in Deutschland ereignete sich Anfang März am Frankfurter Flughafen: Ein allein handelnder 21-jähriger Kosovo-Albaner erschoss dort mit einer Pistole zwei US-Soldaten und verwundete zwei ihrer Kameraden, die auf dem Weg nach Afghanistan waren. Er steht derzeit in Frankfurt vor Gericht.