Die Berliner haben den kleineren Parteien bei der Wahl des Abgeordnetenhauses einen deutlichen Stimmenzuwachs beschert – mit Ausnahme der FDP. Die schaffte die Fünfprozenthürde nicht und flog mit dem Ausscheiden in Berlin aus dem fünften Landesparlament in diesem Jahr. Generalsekretär Christian Lindner gestand die Niederlage der Liberalen kurz nach Bekanntwerden des Ergebnisses unumwunden ein. Das Ergebnis sei "eine Niederlage für die FDP insgesamt".

Er empfehle seiner Partei eine "Phase der Nachdenklichkeit", sagte der ratlos wirkende Lindner. Die Liberalen sollten sich vor "schnellen Antworten" hüten. Die FDP hatte den Wiedereinzug ins Landesparlament mit einem Ergebnis von knapp zwei Prozent verpasst, bundesweit liegt die Partei in Umfragen zwischen drei und fünf Prozent, woran auch der im Mai neu gewählte FDP-Chef Philipp Rösler nichts ändern konnte.

Die SPD-Bundesführung gratulierte Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit zum Wahlsieg. Er kann auch als Sieg verbuchen, dass die Grünen nicht stärkste Kraft wurden – wonach es im Frühjahr noch ausgesehen hatte. Wowereit kann nun zum dritten Mal in Folge eine Regierung bilden.

Bundesparteichef Sigmar Gabriel sagte, das Ergebnis sei keine Vorentscheidung darüber, mit welchem Kanzlerkandidaten die Partei 2013 antritt. Da wird ein neuer Bundestag gewählt, nach bisherigen Umfragen könnten SPD und Grüne dann die Regierung stellen. Gabriel wertete das Berliner Ergebnis als Zeichen dafür, dass die SPD die führende strategische Kraft sei. Die schwarz-gelbe Bundeskoalition habe völlig abgewirtschaftet, sagte er.

Die Grünen haben mit ihrem besten jemals in Berlin erzielten Ergebnis gewonnen – und zugleich verloren. Denn Spitzenkandidatin Renate Künast wird nicht, wie von ihr angestrebt, Regierende Bürgermeisterin – und sich deshalb in die Bundespolitik zurückziehen. "Wir haben nicht alle Wahlziele erreicht", räumt Grünen-Bundeschef Cem Özdemir noch am Abend ein. Künast kündigte an, ihre Erfahrungen noch in die anstehenden Sondierungsgespräche einzubringen.

Der Bundesvorsitzende der Piratenpartei, Sebastian Nerz, erklärte den Wahltag zum "historischen Tag für die Piratenpartei und für Deutschland". Die Piraten können laut Hochrechnungen 15 Abgeordnete ins Landesparlament schicken und sind damit an der personellen Grenze: Auf ihrer Landesliste stehen überhaupt nur 15 Kandidaten. "Ich bin einfach baff", sagte der Spitzenkandidat des etwa 1.000 Mitglieder starken Landesverbandes, Andreas Baum, über das erzielte Ergebnis. Er werde sich jetzt erst einmal einarbeiten müssen.