Einer wird verlieren. Nur das ist klar an diesem Samstagvormittag in Nürnberg beim CSU-Parteitag . Für die vier Stellvertreterposten von Parteichef Horst Seehofer gibt es fünf Bewerber: Erstmals seit 22 Jahren haben die 1.000 Delegierten eine echte Auswahl. Dafür gesorgt hat Peter Gauweiler, der 62-jährige Parteirebell, der bedeutendste Euro-Kritiker innerhalb der CSU. Nachdem er jahrelang als abgeschrieben galt, strebt der Ziehsohn von Franz Josef Strauß ein hohes Parteiamt an.

Gauweiler polarisiert mit seiner Haltung. Den Rettungsschirm für angeschlagene EU-Staaten, vor allem Griechenland, hat er im Bundestag abgelehnt. An der Parteibasis gefällt das. Der Mediziner Christian Alex etwa, Delegierter aus dem kleinen Ort Waal im Ostallgäu, lobt Gauweiler: "Er zeigt klare Kante und sagt, was die Menschen denken." Angesichts der Euro-Krise hätten die Bürger "große Angst um ihr Geld auf dem Sparbuch".

Dem Parteivertreter Philipp von Hirsch aus Planegg geht Gauweilers Kraftmeierei hingegen zu weit: "Er ist zu Euro-kritisch", sagt er. "Wir brauchen mit Peter Ramsauer einen starken Verkehrsminister in Berlin." Ilse Weiß wiederum, Bürgermeisterin des Örtchens Neuried bei München, würde am liebsten beide wählen – Gauweiler und Ramsauer. "Eigentlich können wir auf keinen verzichten", sagt sie.

In der Parteiführung gibt es manche, die in Gauweiler einen unkalkulierbaren Sprengsatz sehen, einen Populisten, der eher selten seiner Abgeordnetenarbeit in Berlin nachgeht.

Neben den beiden Peters kandidieren - sorgfältig nach Regional- und Geschlechterproporz ausgewählt - die Schwäbin Beate Merk aus Neu-Ulm, Justizministerin in München; der Franke Christian Schmidt, bisher weitgehend unbekannter Staatssekretär im Verteidigungsministerium; und die Landtagspräsidentin Barbara Stamm aus Franken.

Erst einmal macht Horst Seehofer den Delegierten Mut in einer zweistündigen, teils begeistert aufgenommenen Rede: "Wir in Bayern vererben Chancen und keine Schulden", sagt er und verweist auf den ausgeglichenen Landeshaushalt. Er lobt die Familie und das Ehrenamt, die christliche Kultur des Freistaats und die starke Wirtschaftsleistung. "Bayern ist Zusammenhalt", ruft er und fordert das Parteivolk auf, "auszuschwärmen" und die Botschaft zu verbreiten: "Bayern kann‘s, Bayern macht‘s, Bayern schafft‘s."

Der Parteichef spricht sich nicht für Ramsauer aus, die beiden hatten in der Vergangenheit schon einigen Streit. Und er sagt nichts über Gauweiler, der ihm ein unbequemer Vize wäre, der sich auch mal kraftvoll gegen ihn stellen könnte. Seehofer gibt klugerweise keine Präferenz ab für Ramsauer oder Gauweiler. Liefe es anders, wäre auch er beschädigt.

Der Parteitag entscheidet mit großer Mehrheit, dass einzeln abgestimmt wird. Der Franke Schmidt und die Schwäbin Merk sind gewählt, zwischen Ramsauer und Gauweiler kommt es zum Showdown.

Gauweiler hält eine launige Bewerbungsrede. "Mit wem wollen wir koalieren?", fragt er und gibt gleich die Antwort: "Mit den Bürgern." Angesichts seiner Haarfarbe bezeichnet sich der Münchner selbst als "schwarzer, grauer Peter" und kokettiert damit, immer "Provinzpolitiker" gewesen zu sein. Allerdings: "Bayern ist die beste Provinz der Welt."

Ramsauer indes scheint auf die Macht seines Amtes zu hoffen, seine Vorstellung ist farblos. Er leiert seine Biografie herunter und verweist auf seine große Bedeutung als Bundesverkehrsminister.