Vier Jahre nach ihrer Gründung als gesamtdeutsche Vereinigung hat die Linkspartei ihr erstes Grundsatzprogramm beschlossen. 96,9 Prozent der Delegierten des Parteitags in Erfurt stimmten für das leicht veränderte Konzept des Parteivorstands. Im Mittelpunkt steht der Umbau wesentlicher wirtschaftlicher Grundlagen der Gesellschaft, durch den mehr soziale Gerechtigkeit erreicht werden soll. 503 Delegierte stimmten mit Ja, vier mit Nein und zwölf enthielten sich.

Parteichef Klaus Ernst sprach von einem "Meilenstein in unserer Geschichte". Er sieht in dem Votum eine große inhaltliche Einigkeit der Linken. Wenn die jetzt noch "den Unfug" lassen würden, sich mit sich selbst zu beschäftigen und stattdessen die Inhalte nach außen trügen, würden sie auch wieder wachsen, sagte er. Parteivize Sahra Wagenknecht äußerte, sie sei "unglaublich froh" über die breite Zustimmung.

In der Diskussion um das Wirken der beiden Parteichchefs stärkte der frühere Linken-Chef Oskar Lafontaine dem umstrittenen Duo Gesine Lötzsch/Klaus Ernst den Rücken. "Wenn die Führung angegriffen wird, dann braucht die Führung die Solidarität der gesamten Partei – auch dann, wenn sie Fehler macht", sagte er. Lötzsch und Ernst waren in den vergangenen Monaten zunehmend unter Druck geraten. Angesichts innerparteilicher Streitereien über den Kommunismus-Begriff, den Mauerbau oder die Haltung zu Israel wurde ihnen Führungsschwäche vorgeworfen.

Seine Partei rief Lafontaine zu mehr Selbstbewusstsein im politischen Wettbewerb auf. Er mahnte, die Linke müsse sich im Wettbewerb mit anderen politischen Parteien ein eigenes Profil schaffen. Den Streit darüber, ob die Linke sich an Regierungen beteiligen solle, bezeichnete er als "müßig". Ob eine Partei Erfolg habe, entscheide sich daran, ob eine Partei überzeugt sei von dem, was sie vertrete. "Wir müssen überzeugt sein von dem Programm, das wir heute mit überwältigende Mehrheit beschlossen haben", mahnte Lafontaine.