Zu vielen aktuellen Fragen wie der Griechenland-Krise oder dem Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan hat die Piratenpartei nach eigenen Angaben noch keine abschließende Position. Der Bundesvorsitzende Sebastian Nerz warb bei einer Pressekonferenz in Berlin um Verständnis, dass die 2006 gegründete Partei noch jung sei und daher keine Antworten auf alle Fragen bieten könne. Nerz sagte, er sei aber "sehr zuversichtlich", dass die meisten offenen Fragen bis 2013 beantwortet werden könnten.

Auf die Griechenland-Krise hätten auch die anderen Parteien keine Antworten, sagt er weiter. Zu Auslandseinsätzen der Bundeswehr werde die Meinung gerade gebildet, zum Thema Sozialpolitik mit Forderungen wie mehr Teilhabe sozial Schwacher oder kostenlosem Nahverkehr würden Modelle durchgerechnet.

Schonzeit für Polit-Neulinge

Auch Geschäftsführerin Weisband beansprucht für die Polit-Neulinge weitere Schonzeit: "Wir sind noch jung, wir können das noch gar nicht wissen", sagte sie. Schnellgestrickte Programme nutzten niemandem, "wir wollen fundierte Lösungen". Die ungeklärten Parteipositionen nutzt Weisband als Aufforderung zum Mitmachen. Sollten sich Bürger zu Hause denken, "da kenne ich mich aus, da kann ich beitragen, dann ist das wundervoll", sagte die Psychologiestudentin. "Wir wollen die Antworten von den Leuten", auch deshalb gebe es noch nicht zu allem ein ausführliches Programm.

Trotz der Lücken im Programm strebt die Piratenpartei nach der Bundestagswahl 2013 aber eine Regierungsbeteiligung an. So unklar manches bleibt, so klar ist das "Ja" des Bundesvorsitzenden Sebastian Nerz auf die Frage, ob die Piraten sich vorstellen könnten, in Koalitionsverhandlungen auf Bundesebene zu gehen. Dabei vermied er aber eine Aussage, welche Partner dabei vorstellbar seien.

Bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus in Berlin hatte die Piratenpartei im September 8,9 Prozent der Stimmen bekommen. Bei der Bundestagswahl 2009 kam die Partei auf 2,0 Prozent. Einer Umfrage zufolge kämen sie derzeit aber auf knapp sieben Prozent.