Knapp 15 Monate nach der Loveparade-Katastrophe muss der Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) um sein Amt bangen. Die Bürgerinitiative Neuanfang für Duisburg hat nach eigenen Angaben mehr als 79.000 Unterschriften für Sauerlands Abwahl gesammelt. Damit wurde die für die Einleitung eines Abwahl-Bürgerentscheids erforderliche Zahl von 55.000 Unterschriften weit übertroffen, wie ein Sprecher der Initiative mitteilte.

Die Kritiker machen Sauerland für die Genehmigung der Techno-Party verantwortlich, bei der 21 Menschen in einer Massenpanik erdrückt und Hunderte verletzt worden waren. Sie fordern, dass der Oberbürgermeister die politische Verantwortung für das Unglück übernimmt. Sauerland lehnte einen Rücktritt weiterhin ab. "Da ändert sich nichts", sagte sein Sprecher Josip Sosic. Das sei ein "Tiefpunkt von politischer Moral", entgegnete der Sprecher der Bürgerinitiative, Theo Steegmann.

Die Unterschriften werden nun im Rathaus öffentlich ausgezählt und in den folgenden Wochen auf ihre Gültigkeit überprüft. Dafür verlangt die Stadt beispielsweise eine vollständige Adresse der Unterzeichner. Am 12. Dezember wird bei einer Ratssitzung offiziell das Ergebnis der Stimmenauszählung verkündet. Sollten mindestens 55.000 gültig sein, müsste der Rat das Abwahlbegehren für zulässig erklären. Spätester Termin für einen Bürgerentscheid wäre dann der 11. März 2012.

Angesichts der großen Mobilisierung in den vergangenen drei Monaten gebe es dafür große Chancen, sagte Steegmann: "Wir brauchen 92.000 Stimmen – und die kriegen wir auch." Ein Abwahlantrag gegen Sauerland war im vergangenen September im Rat an den Stimmen der CDU-Fraktion gescheitert. Seit dem vergangenen Frühjahr können in Nordrhein-Westfalen auch die Bürger die Einleitung eines Abwahlverfahrens gegen einen Oberbürgermeister betreiben. Eine entsprechende Änderung der Gemeindeordnung hatte der Düsseldorfer Landtag im Mai verabschiedet.