Unsere Soldaten bekommen alles, was sie brauchen, versprach einst Bundeskanzlerin Angela Merkel in einer ihrer wenigen Reden zur Bundeswehr. Doch dieser Anspruch ist von der Realität weit entfernt. Das zeigt nichts deutlicher als der nun zehn Jahre währende Afghanistan-Einsatz. Dabei ist die Ansicht fraktionsübergreifend einhellig: Union, FDP, SPD und Grüne wollen unsere Parlamentsarmee nur ausreichend ausgestattet in den Einsatz ziehen lassen.

Ausgerechnet der Wehrbeauftragte des Bundestages bringt jedoch von jeder Afghanistan-Reise lange Mängellisten mit nach Hause. Und die haben es in sich, denn es werden nicht nur eine lähmende Bürokratie oder schlechte und teure Internetverbindungen beklagt. Es fehlt vor allem an Ausrüstung, die das Leben von Soldaten der Operation Enduring Freedom retten könnte.

So wurde erst nach jahrelangem Beschuss des deutschen Feldlagers in Kundus durch die Taliban mit Raketen und Mörsern ein Abwehrsystem bestellt, das in Tests bislang aber gar nicht überzeugen konnte. Zu spät orderten die Verantwortlichen zudem ein Entschärfungssystem für Sprengfallen, das an Fahrzeuge angebracht werden kann. Die Amerikaner benutzen in Afghanistan so einen Roboterarm seit Jahren. Die Mängelliste in puncto Einsatzbereitschaft füllt Dutzende Seiten.

Das fällt auch den deutschen Verbündeten auf, der ehemalige US-Verteidigungsminister Robert Gates beklagte die Sparwut der Europäer bei der Verteidigung . Die europäische Verteidigungsagentur EDA veröffentlichte einen für die Bundeswehr wenig schmeichelhaften Bericht. Der Ruf der Deutschen hat in den vergangenen Jahren bei den Nato-Partnern arg gelitten: Sie klagen nicht nur über fehlende Ausrüstung, sondern auch über komplizierte Einsatzregeln, lange Befehlsketten und unberechenbare politische Entscheidungen.

Und da bis 2009 niemand im politischen Berlin von Krieg sprach, durfte die Mission auch nicht so aussehen. Nur wenige Schützenpanzer waren in Afghanistan im Einsatz, obwohl die Gefechte ständig schwerer wurden. Die Panzerhaubitze 2000 ließ Guttenberg nach Masar-i-Scharif und Kundus verlegen, nachdem mehrere Soldaten gefallen waren. Dennoch bleibt die Bundeswehr bei lang andauernden Gefechten auf die Amerikaner angewiesen. Denn ohne die US-Truppen stünden die Deutschen im Regionalkommando Nord noch viel stärker unter Druck.

Deutsche Offiziere fordern häufig amerikanische Luftunterstützung an, wenn Bundeswehrsoldaten in heftigen Gefechten stehen. So geschehen auch vor zwei Jahren, als bei Kundus zwei von den Taliban entführte Tanklaster bombardiert wurden. Eigene bewaffnete Kampfjets hat die deutsche Luftwaffe in Afghanistan nicht im Einsatz – auch weil die deutsche Politik weiß, dass bei Bombardierungen nicht nur Gegner getroffen werden, sondern auch Zivilisten. Dafür waren allein in diesem Jahr Dutzende Male amerikanische Kampfflugzeuge für die Deutschen unterwegs. Und Nacht für Nacht brechen in Nordafghanistan amerikanische Spezialkräfte zur Terroristenjagd auf, töten Taliban oder nehmen sie gefangen. Deutsche erfahren meist sehr wenig über diese Operationen, viel dazu beitragen könnte die Bundeswehr sowieso nicht.