Es ist ein vehementes Plädoyer für Europa und den Euro. "Die wahren Europäer werden sich zeigen müssen in der Stunde der Herausforderung", ruft der FDP-Politiker den Delegierten zu: "Europa hat einen Preis, ja. Aber es hat auch einen Wert. Wer den vergisst, der macht einen historischen Fehler." Die Anwesenden jubeln. Zum ersten Mal an diesem Tag herrscht richtig gute Stimmung auf dem Sonderparteitag der FDP in Frankfurt am Main.

Gesprochen hat allerdings nicht Parteichef Philipp Rösler. Sondern einer, der bei den Liberalen eigentlich schon lange nicht mehr viel zu sagen hat: Röslers Vorgänger Guido Westerwelle. Vor fast genau sechs Monaten, auf dem Parteitag in Rostock, wurde er als Vorsitzender gestürzt. Jetzt ist er zurück. Ein bisschen jedenfalls. Westerwelle ist nur ein einfacher Redner in der allgemeinen Aussprache des Parteitages zum Euro. Aber er läuft zu Höchstform auf, als er für den permanenten Euro-Rettungsschirm (ESM) wirbt.

"Alle haben die Hosen voll"

Die FPD ringt derzeit um ihre Position zur Euro-Rettung : Seit Wochenbeginn läuft ein Mitgliederentscheid, angestoßen von Finanzpolitiker und "Partei-Rebell" Frank Schäffler. Der will die FDP davon überzeugen, den ESM im Bundestag abzulehnen. Schäffler glaubt nicht, dass der Euro mit "immer mehr Schulden" und deutschen Garantien gerettet werden kann. In der Parteiführung ist die Angst groß, dass die Mehrheit der 64.000 Liberalen ebenfalls dieser Ansicht ist.

Verfehlt Schwarz-Gelb im kommenden Jahr eine eigene Mehrheit bei der Abstimmung um den ESM, wäre damit das Ende der Koalition besiegelt. Und die FDP müsste sich fragen lassen, ob sie überhaupt noch für Europa steht.

Daher hat die Führung der Liberalen kurzerhand die Parteitagsplanung umgeworfen. Ursprünglich sollte das neue Grundsatzprogramm der Liberalen debattiert werden. Doch jetzt geht es um den Euro. Der gesamte Samstagnachmittag ist für eine große Aussprache reserviert. Das Delegiertentreffen sei ein "Meinungsbildungsparteitag", sagte Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger in ihrer Eingangsrede.

Aus dem Bundesvorstand ist zu hören, dass die Parteiführung diesem Delegiertentreffen mit großer Nervosität entgegengeblickt hat: "Alle haben die Hosen voll." Eine euroskeptische Basis, die am Ende gegen den ESM und damit gegen die eigene Führung stimmt, das ist eine Horrorvision für die angeschlagene Partei.

Auch deshalb gibt Westerwelle in seiner Rede alles. Es gehe bei dem Mitgliederentscheid doch gar nicht um den ESM, sondern "um mehr", ruft Westerwelle. Er führt die deutsch-französische Freundschaft an, den Weltfrieden und die Tatsache, dass die FDP doch eine Europa-Partei sei. Den Delegierten gefällt’s.