Nach einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung hatte Karl-Theodor zu Guttenberg Einfluss darauf, wann in der Plagiatsaffäre um seine Doktorarbeit das Strafverfahren gegen ihn eingestellt würde. Die Zeitung beruft sich auf die Staatsanwaltschaft Hof, wonach diese Guttenbergs Anwalt mitgeteilt habe, dass sie nach Beendigung des Verfahrens die Öffentlichkeit darüber informieren werde.

Als beendet gilt das Verfahren erst nach der Bezahlung des Bußgeldes. So konnte Guttenberg die Strafe von 20.000 Euro an die Kinderkrebshilfe zu einem Zeitpunkt zahlen, der ihm nützlich erschien – kurz vor der Veröffentlichung seines Buches Vorerst gescheitert an diesem Montag.

Nach Informationen des Focus arbeitet Guttenberg seit geraumer Zeit intensiv an einem politischen Comeback. Gegenüber Parteifreunden, die ihn in den USA besuchten, habe er angedeutet, dass er schon bald in die Politik zurückkehren wolle. Die Kontakte in die Partei habe er seitdem verstärkt gesucht.

Harsche Kritik aus der CSU

In der CSU-Führung zeigt man sich inzwischen verärgert über den Parteigenossen. Generalsekretär Alexander Dobrindt warf Guttenberg indirekt Undankbarkeit vor. Er habe in einer schwierigen Situation von "seiner politischen Heimat, der CSU", Unterstützung und Solidarität erfahren und gelte in der Partei noch immer als "einer von uns". "Ich hätte mir schon gewünscht, dass er das jetzt in seinen ersten Erklärungen etwas mehr berücksichtigt", sagte Dobrindt. "Wer von seiner politischen Familie solche Solidarität erfährt, der sollte davon auch wieder etwas zurückgeben."

Guttenberg hatte sich in einem Interview mit der ZEIT kritisch zu seiner Partei geäußert. Er sprach der CSU den Anspruch ab, eine Volkspartei zu sein, und ließ Sympathien für die Gründung einer neuen Partei erkennen: "Ich glaube, ... dass eine solche Gruppierung am ehesten in der Mitte Erfolg haben könnte, nicht an den Rändern des politischen Spektrums."

CSU-Chef Horst Seehofer hatte sich nach einem Bericht der Mitteldeutschen Zeitung bereits am Donnerstagabend am Rande des Treffens der Ministerpräsidenten der unionsregierten Länder mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sehr kritisch über Guttenberg geäußert. Dieser könne sich nicht immer dadurch erhöhen, indem er andere erniedrige, sagte Seehofer demzufolge. Er habe keinen Zweifel daran gelassen, dass er eine Rückkehr des 39-Jährigen in eine führende politische Funktion mit Mandat der CSU ausschließe, berichteten dem Artikel zufolge mehrere Ministerpräsidenten unabhängig voneinander.