Konservative Unionspolitiker haben die Kritik der CDU-Führung an ihren Plänen zur Gründung eines Berliner Kreises zurückgewiesen. Die CDU-Bundestagsabgeordnete Erika Steinbach äußerte Unverständnis über den Argwohn der Bundesspitze, der nordrhein-westfälische Innenpolitiker Wolfgang Bosbach sein Erstaunen über die Tonlage der Kritik.

Die langjährigen Christdemokraten wollen ihrer Partei geben, was sie an ihr vermissen : Tradierte Überzeugungen sollen sich widerspiegeln, konservative Werte gepflegt werden. Doch der sich um den hessischen CDU-Fraktionschef Christean Wagner bildende Berliner Kreis muss sich des Verdachts erwehren, der Parteiführung Konkurrenz machen zu wollen.

"Ich bin sehr überrascht über die etwas harsche Tonlage", sagte Bosbach. Steinbach sagte, es sei verkehrt, kritisch-wohlwollenden Geistern mit Misstrauen zu begegnen: "Die CDU-Führung sollte sich über unser Engagement freuen. Wir sind das Herz der Union." Es sei keine neue Partei geplant.

Unionsfraktionschef Volker Kauder hatte gesagt, es dürfe keine Aufspaltung der Partei oder der Bundestagsfraktion nach Haltungen geben. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hatte davor gewarnt, der Kreis dürfe keine feste Form erhalten. CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe sagte, jeder sei willkommen, der die Partei nach vorn bringen wolle. Der normale Weg der Diskussion seien aber die Parteigremien: also Mitgliederversammlungen, Arbeitsgruppen, Vorstände, Parteitage. Die Parteiführung hegt den Verdacht, der Kreis wolle mit programmatischen Diskussionen in Konkurrenz zu Parteichefin und Kanzlerin Angela Merkel treten.

Bosbach hatte seine Ideen offen kommuniziert: Er wolle etwa das Modell eines "Europas der Vaterländer" gegen die von der Parteispitze angestrebten "Vereinigten Staaten von Europa" setzen, sagte er in einem Interview. Der Kreis könnte analysieren, warum die Union in den vergangenen Jahren an Zustimmung verlor. Und der Hesse Wagner erläuterte, man wolle Anregungen für die Politik der Kanzlerin geben. "Wir wollen Entschiedenheit, Verlässlichkeit und die Rückeroberung der verlorenen Stammwähler." Die Aktivisten fürchten nach den jüngsten programmatischen Reformen – Aufgabe der Wehrpflicht, Abschied von der Hauptschule, Bekenntnis zum Mindestlohn – einen Ausverkauf konservativer Positionen in der Partei.