Mit einem zerknirschten Geständnis begann am Donnerstag der erste Arbeitstag des designierten neuen FDP-Generalsekretärs : "Die Sache ärgert mich persönlich am allermeisten. In einer verantwortungsvollen politischen Position ist ein Außenspiegel nicht einfach ein Außenspiegel", sagte Patrick Döring der Bild -Zeitung .

Der 38-Jährige hatte vor zwei Wochen beim Vorbeifahren den Spiegel eines fremden Autos beschädigt und dies angeblich nicht bemerkt. Nun steht Döring unter Fahrerflucht-Verdacht. Die SPD reagierte prompt: "Patrick Döring ist und bleibt ein Rüpel, im Straßenverkehr genauso wie im Parlament", twitterte die niedersächsische Parlamentarierin Kerstin Tack .

Doch ein kaputter Autospiegel kann die Liberalen in diesen Tagen nicht mehr erschrecken. Wen interessiere schon der designierte Generalsekretär, fragt einer. Im Moment wisse man noch nicht einmal, ob Philipp Rösler nach dem Wochenende noch Parteivorsitzender sei. Und damit auch nicht, ob seine Personalvorstellungen in drei Tagen noch jemanden kümmern. Nein, gelassener ist die FDP seit dem überraschenden Rücktritt von Christian Lindner und der Präsentation Dörings als Nachfolger nicht geworden. Ganz im Gegenteil.

"Alles hängt von Freitag ab"

Am Freitag nämlich wird der Parteivorsitzende Rösler das Ergebnis des FDP-Mitgliederentscheids bekannt geben. Hat sich die Partei für oder gegen den Regierungskurs in der Euro-Rettung ausgesprochen? Das Votum der Mitglieder birgt enorme Sprengkraft in sich, das weiß man in der FDP seit Langem.

Neu ist, dass nun auch noch eine Führungskrise hinzugekommen ist. Lindner, Nachwuchshoffnung der Liberalen, hat frustriert aufgegeben. Das Zerwürfnis zwischen ihm und Rösler ist öffentlich geworden, ebenso die parteiinterne Kritik am FDP-Chef. Rösler ist einsamer denn je.

"Alles hängt von Freitag ab", sagt daher ein Liberaler. Derzeit werden die Stimmen des Mitgliederentscheides ausgezählt. Sein Initiator, der Rettungsschirmkritiker Frank Schäffler, glaubt, dass er eine Mehrheit für seinen ablehnenden Kurs zustande gebracht hat. Die Befürworter der Euro-Rettungsmaßnamen hoffen hingegen noch auf ein klares Ergebnis für den Antrag der Parteispitze. Aber sie sagen auch: "Wenn es anders kommt, dann steht alles in Frage." Alles. Gemeint ist damit auch die schwarz-gelbe Koalition.

Denn sollte sich das Schäffler-Lager durchsetzen, und sollte sich die FDP-Führung zu einem Euro-kritischen Kurs gezwungen sehen, dann könnte Angela Merkel die Regierung aufkündigen und sich für ihre Euro-Rettung verlässlichere Partner suchen . Oder die FDP zieht ihre Minister von selbst aus dem Kabinett ab.

Unklar ist jedoch weiterhin, ob der Entscheid formal überhaupt bindend für die Parteispitze sein wird. Ein Drittel aller FDP-Mitglieder muss sich beteiligt haben, sonst ist das nötige Abstimmungsquorum nicht erfüllt. Und der Rücklauf war trotz dieser wichtigen Weichenstellung für die Partei äußerst mau.