ZEIT ONLINE: Herr Vogt, warum kandidieren Sie nicht für den neuen SPD-Parteivorstand?

Sascha Vogt: Auf dem Parteitag wurde am Sonntag beschlossen, dass der neue Vorstand auf 35 Personen verkleinert wird. Daher gibt es jetzt deutlich mehr Kandidaten als Plätze. Mehrere Landesvorsitzende haben mir in den vergangenen Tagen signalisiert, dass sie meine Kandidatur nicht unterstützen werden. Das ist kein Weltuntergang.

ZEIT ONLINE: In allen anderen Parteien sind die Chefs der jeweiligen Jugendorganisation auch Mitglied im Parteivorstand. Nur die Jusos schaffen das nicht...

Vogt: Es zeigt sich, dass es in den neuen Vorstandsstrukturen noch schwieriger ist, die Interessen der jungen Menschen gut zu vertreten. Ich mache das nicht an einzelnen Personen fest, aber die SPD muss schon schauen, junge Politiker zu integrieren und ihnen Perspektiven zu bieten. Die Jusos bleiben natürlich ein wichtiger Teil der SPD. Aber dennoch ist es schade, dass es weniger Platz für Leute gibt, die wichtige gesellschaftliche Gruppen repräsentieren, die aber vielleicht nicht eine 1-A-Parteikarriere haben.

ZEIT ONLINE: Ein wichtiger Begriff auf dem Parteitag ist "Deutungshoheit" . Laut Parteichef Gabriel hat die SPD diese 2009 verloren und erobert sie derzeit wieder zurück. Sind sie zufrieden mit dem neu-mittigen Kurs der Parteispitze - oder sollte die SPD stärker ihr linkes Profil betonen?

Vogt:Sigmar Gabriel hat sich doch klar zur linken Volkspartei SPD bekannt. Und wir Jusos sehen uns auch weiterhin als linke Antriebskraft der Partei. Aber mir geht es nicht um abstrakte Begrifflichkeiten, sondern um eine Politik, die das konkrete Leben der Menschen verbessert.

ZEIT ONLINE : Am Dienstag geht's um die Steuerpolitik. Die Partei-Linke wirbt für die Einführung einer Reichensteuer. Die Parteispitze ist partout dagegen. Wer setzt sich durch?

Vogt: Das wird der Parteitag entscheiden. Aber es ist wichtig, diese Diskussion zu führen und Meinungsverschiedenheiten offen auszutragen. Es geht mir auf den Keks, dass eine relativ kleine Frage über drei Prozent Steuererhöhung von manchen aus der Parteispitze zur Zukunftsfrage der deutschen Sozialdemokratie gemacht wird. Wir glauben, dass wir gute Argumente haben, dass wir die zusätzlichen Steuereinnahmen für Bildung und Kommunen nutzen können.

ZEIT ONLINE: Der Leitantrag zur Steuerpolitik wird von Peer Steinbrück vorgestellt. Der würde als Kanzlerkandidat niemals für eine Reichensteuer eintreten.

Vogt: Das Programm muss vor dem Kandidaten kommen.

ZEIT ONLINE: Würden die Jusos gegen einen Kanzlerkandidaten Steinbrück rebellieren? Den mögen Sie nicht, oder?

Vogt: Der Parteichef hat zu Recht gesagt, dass wir das 2012 entscheiden. Es wäre falsch, jetzt schon über die Kandidaten zu diskutieren.