Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wird laut dem vorab verbreiteten Text ihrer Neujahrsansprache die Deutschen auf neue Herausforderungen im kommenden Jahr einstimmen und für einen langen Atem bei der Stabilisierung des Euro werben. Dem Vorabtext zufolge sagt sie: "Deutschland geht es gut, auch wenn das nächste Jahr ohne Zweifel schwieriger wird als dieses."

Die Bürger könnten darauf vertrauen, "dass ich alles daran setze, den Euro zu stärken". Der Weg, die Krise in Europa zu überwinden, bleibe lang und werde nicht ohne Rückschläge sein. "Doch am Ende dieses Weges wird Europa stärker aus der Krise hervorgehen, als es in sie hineingegangen ist."

Trotz aller Mühen bei der Bekämpfung der Schuldenkrise dürfe nie vergessen werden, "dass die friedliche Vereinigung unseres Kontinents das historische Geschenk für uns ist", sagt die Regierungschefin in der Rede, die am Samstagabend ausgestrahlt wird. Dass Europa über ein halbes Jahrhundert Frieden, Freiheit, Gerechtigkeit, Menschenrechte und Demokratie gehabt habe, "können wir auch in unserer Zeit gar nicht hoch genug schätzen".

Klares Eintreten gegen rechtsextreme Gewalt

Sie wisse, dass sich viele Bundesbürger Gedanken um die Sicherheit der gemeinsamen Währung machten. Doch diese habe sich bewährt. Der Euro habe "unseren Alltag einfacher und unsere Wirtschaft stärker gemacht". In der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 habe der Euro Schlimmeres verhütet. Um die Währung zu stärken, müssten nun die Lehren aus Fehlern der Vergangenheit gezogen werden. Dazu gehöre, in Europa mehr als bisher zusammenzuarbeiten.

Angesichts der guten Lage am Arbeitsmarkt ruft Merkel die Deutschen zu Zuversicht für die kommenden Herausforderungen auf. Im neuen Jahr wolle die schwarz-gelbe Bundesregierung das Energiekonzept nach dem Atomausstiegsbeschluss zügig umsetzen. Außerdem sollten die Familien gestärkt werden, um Deutschland kinderfreundlicher zu machen. Merkel fügte hinzu: "Wir werden die sozialen Sicherungssysteme so verändern, dass sie auch in Zukunft jedem die Hilfe und Leistung geben, die er braucht, zum Beispiel für die Pflege Alter und Kranker."

Im Fall der Mordserie der Zwickauer Neonazis verspricht Merkel umfassende Aufklärung. Auch alle Helfer würden zur Rechenschaft gezogen. Die Verteidigung von Werten einer offenen und freiheitlichen Gesellschaft sei aber nicht nur für die Politik eine Daueraufgabe. In den Taten, die die Gruppe über mehr als ein Jahrzehnt unbehelligt habe begehen können, sei "ein unfassbares Maß an Hass und Fremdenfeindlichkeit sichtbar" geworden. Die unter dem Namen Nationalsozialistische Untergrund (NSU) agierende Gruppe soll neun Einwanderer aus der Türkei und Griechenland sowie eine deutsche Polizistin ermordet haben.