Die Stadthalle in Offenbach ist ein grauer Betonklotz. Es gibt Steinplatten, Steintreppen und Steinaufgänge. Für solche Großraumhallen könnte das Wort "zweckmäßig" erfunden worden sein. Sie passt in das verhalten schöne Stadtbild insgesamt. Im Inneren, natürlich, ist vieles aus Stein. Der Sound der Siebziger.

Drinnen wummern die Bässe, Diskoblitze zucken und Nebel wird großzügig versprüht. Dazu haben junge Leute mit orangefarbenen Flaggen die Bühne betreten. Der Parteitag der Piraten ist eröffnet. Und damit auch ein bisschen die Show.

Nie zuvor standen die Piraten derart im Fokus der Öffentlichkeit. Mehrere Übertragungswagen haben auf dem Parkplatz vor der Stadthalle geparkt. Knapp 200 akkreditierte Journalisten berichten, viele davon live. Bis zum Mittag haben sich 1255 Piraten akkreditiert und im Saal eingefunden. Schon jetzt ist das Rekord. Es gibt ein Catering, Kinderbetreuung und Pendelbusse zur Stadthalle. Knapp fünf Kilometer Kabel wurden im Saal verlegt, um eine Vollvernetzung zu gewährleisten. Viel Aufwand für durchweg ehrenamtliche Piraten. Allein die Organisation dieses Offenbacher Wochenendes hat die Partei arg strapaziert. Spätestens seit der Berlin-Wahl, bei der die Piraten 8,9 Prozent der Stimmen bekamen, steht die Partei im Politikbetrieb .

Das macht auch Sebastian Nerz, ihr Bundesvorsitzender, gleich zu Beginn seiner Rede in Offenbach deutlich. "Wir sind in der Realpolitik angekommen", sagt er. Von Zurückhaltung keine Spur, die Piraten seien "keine Eintagsfliegen", sagt Nerz. Das werde die Wahl in Schleswig-Holstein im nächsten Jahre beweisen. Und auch das Frankfurter Oberbürgermeisteramt könne man "auf jeden Fall" gewinnen. Nerz gibt den Starken und bekommt dafür viel Applaus.

Partei mit Wachstumsschmerzen

Zehn Minuten, mehr gibt es auch für den Bundesvorsitzenden nicht. Die Redezeit ist nach den Erfahrungen vergangener Parteitage auch in Offenbach straff begrenzt. Nerz nutzt die Zeit, um einen Demokratieverlust zu beklagen ("Unterdrückung des Parlaments"), das Euro-Krisenmanagement der Regierung ("Konzentration auf die Spitze") sowie den Rechtsterror zu geißeln ("keine Überraschung"), was nicht an zu kurzen Speicherfristen liege.

Mit Blick auf die eigene Partei betont Nerz, dass es sicher kein einfacher Weg sei, den die Piraten vor sich hätten. Denn mit den Erfolgen seien auch Fehler gemacht worden. Man dürfe sich nicht spalten: "Uns eint mehr als uns trennt."

Nerz spielt an auf Wachstumsschmerzen seiner Partei. Und die haben vor allem inhaltlich stattgefunden. Beispiel Euro-Krise. Kürzlich ging Bundesvorstand Matthias Schrade dazu in Vorlage und löste in seiner Partei heftigen Streit aus. In einem Interview mit dem Handelsblatt befürwortete er unbefristete Rettungsmaßnahmen für Krisenländer abzulehnen, ähnlich wie es der FDP-Rebell Frank Schäffler fordert. Schrade sprach von der Bildung einer "Kern-Union". Zwar betonte er mehrfach, nur für sich zu sprechen, doch die Botschaft, die haften blieb: Die Piraten gehen auf Anti-Euro-Kurs.