Die Frankfurter Rundschau fragt, ob der Kredit über 500.000 Euro an Christian Wulff nur ein "reiner Freundschaftsdienst" des Ehepaar Geerkens war. Vielleicht sei er kein "klassisches Gegengeschäft, belegt mit Brief und Siegel" gewesen, doch Wulff habe sich womöglich "irgendwie in der Pflicht gefühlt" – und tue dies vielleicht noch heute. Die FR spekuliert weiter: Eventuell habe Wulff "ein paar Türen mehr geöffnet für die großzügigen Freunde, bestimmte Gesetze vehementer befördert oder Geschäftspraktiken nicht kritisiert". Auf jeden Fall sei er in seiner Urteilskraft befangen. Das Frankfurter Blatt findet es bedenklich, "dass Wulff dies mehrfach nicht bemerkt" haben wolle.

Die Financial Times Deutschland bescheinigt dem Bundespräsidenten, "keine Skandalnudel" zu sein, und nennt die Kredit-Affäre "eine Episode aus seiner niedersächsischen Provinz, der Wulff entflohen ist". Aber es reihe sich mittlerweile eine Episode an die andere, und die FTD ist im Zweifel, ob dies wirklich die letzte gewesen sei. Die Hamburger Wirtschaftszeitung erinnert an Wulffs Urlaub im Domizil des Unternehmers Carsten Maschmeyer und das kostenlose Upgrade auf einem Flug nach Miami durch Air Berlin.

Die Hannoversche Allgemeine Zeitung setzt diese Analyse fort: "Immer wieder wurde Wulff geraten, mehr Abstand zu halten zu jenen Freunden, deren gutmeinende Annäherung am Ende wie ein Fluch wirken kann." Fast scheine es, als werde da einer auch durch Schaden partout nicht klug. Die HAZ glaubt aber, dass eine Mehrheit der Deutschen geneigt sei, Wulffs Fehler zu verzeihen. Vorausgesetzt, dass die Umrisse dessen, was verziehen werden soll, klar seien – und vor allem, dass "nicht noch mehr Dinge hinzukommen".

Die Neue Osnabrücker Zeitung erkennt Kratzer an Wulffs "Saubermann-Image". Sie geißelt dessen "generelle, zuweilen kritiklos wirkende Bewunderung für die, die es 'geschafft' haben". Für einen hohen politischen Amtsträger erscheine es unklug, sich eine halbe Million Euro privat zu leihen. Zu abhängig wirke der Geldnehmer von einer Einzelperson, zu drängend stellten sich Fragen nach den Verpflichtungen abseits von Zinsen. "Wulff hat das nötige Gespür klar vermissen lassen", meint die Heimatzeitung des CDU-Politikers, "aber eine Staatsaffäre sieht anders aus".

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung findet, dass Wulff als Ministerpräsident schwieg, "wo Reden besser gewesen wäre". Seine Teilantwort im Landtag zur Frage nach geschäftlichen Beziehungen zu Egon Geerkens sei formal betrachtet "wohl korrekt". Doch nun hänge dem CDU-Politiker nach, "dass er eine Geschäftsbeziehung zu Geerkens' Frau hatte", von der damals nicht die Rede war. Die FAZ fragt: "Soll man (...) einem frisch Verheirateten ankreiden, dass er eine Ehe nicht als eine Form der Beteiligung ansehen will?" Für das Frankfurter Blatt ist beileibe nicht erwiesen, dass Wulff den Verdacht der Vorteilsnahme oder gar Beeinflussbarkeit von sich weisen könne: Auch "die unschöne Erfahrung rund um die Florida-Ferien bei gutsituierten Gönnern" habe ihn nicht dazu gebracht, seinen Stil zu ändern.

Die Bild-Zeitung prophezeit Wulffs Sturz für den Fall, dass er seinen bisherigen Umgang mit den Vorwürfen fortsetze. Es reiche "ganz und gar nicht, trotzig mit dem Fuß aufzustampfen, anderswo die Schuldigen zu suchen und auf einer außerordentlich spitzfindigen Formulierung zu beharren". Wenn Wulff sein Amt retten wolle, müsse er wie 2010 beim Upgrade durch Air Berlin sofort schwere Fehler einräumen, aufrichtig bedauern und um eine neue Chance bitten. Noch liege der Ausgang der Affäre weitgehend beim Bundespräsidenten selbst – "aber (...) nicht mehr lange", orakelt Bild.