Die Süddeutsche Zeitung nennt Wulff "eine aktive Andockstation" für die damalige "zigarrenrauchende, gerne prollige Hannover-Clique", die sich über ihr Bankkonto Zugang zur Prominenz verschafft habe. Dass Wulff als Ministerpräsident mit solchen "Adabeis" wie Carsten Maschmeyer verbunden gewesen sei, "ist heute für ihn immens peinlich". Er müsse durch Wort und Tat klarmachen, dass er seine Fehler aus dem anderen Leben erkannt habe und nicht fortsetzen werde – etwa, dass er sich an seiner eigenen Bedeutung "berauscht" habe.

Die Rheinische Post kritisiert, es mische sich "sehr viel Häme und Jagdfieber in die Attacken gegen den Bundespräsidenten". Allerdings moniert das Düsseldorfer Blatt auch Wulffs "miserables Krisenmanagement". Er habe gefehlt und sich noch nicht richtig erklärt. Wulff habe zwar gegen keine Gesetze verstoßen und nicht gelogen, aber "zugleich nicht die ganze Wahrheit gesagt". Die RP prophezeit dennoch: "Wenn es keine weiteren Belege für ein rechtswidriges Verhalten oder weitere Beispiele für eine unziemliche Nähe zu reichen Unternehmern gibt, ist er durch." Die bisherigen Vorwürfe reichten nicht für einen Rücktritt.

Härter geht die Mitteldeutsche Zeitung mit dem Bundespräsidenten ins Gericht: "In Sachen Maschmeyer (...) muss man schon viel Gutgläubigkeit aufbringen, um anzunehmen, Wulff habe von dem Sponsoring seines Freundes Carsten nichts gewusst." Das widerspreche aller Lebenserfahrung. Es ginge auch um die Frage, wie viel Nähe ein Politiker zu Wirtschaftsbossen zulassen sollte. Antwort der MZ: "Nicht so viel" wie Wulff. Wer sich mit Darlehen, Ferienwohnungen und Anzeigen subventionieren lasse, werde abhängig und erpressbar.

"Wie sehr kann man als Ministerpräsident Freundschaftsdienste annehmen, (...) ohne dabei seine Vorbildfunktion einzubüßen?" Das fragt die Schwäbische Zeitung. Sie sieht einen "ehemaligen Provinzfürsten Wulff, der sich vielleicht zu sehr in der Nähe von Macht und Geld gesonnt hat". Er habe den Instinkt dafür verloren, was mit seinem Image vom netten Herrn von nebenan noch vereinbar sei und was nicht. Doch das Blatt aus Leutkirch ist bereit, "viele kleine Sünden" zu verzeihen, wenn der Sünder zu seinen Fehltritten stehe und nicht täglich neue Erkenntnisse kämen.

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung gibt sich sarkastisch: "Wo soll da die Sünde sein? Wozu hat man denn vermögende Freunde? Bloß zum Skatspielen und für ein Tischfußballturnier im Keller?" Der Kredit von einer halben Million Euro sei eine "Überbrückungshilfe" gewesen, die 42.000 Euro von Maschmeyer für die Buchanzeigen seien "läppisch". In diesen Tagen greife der Glaube an den Weihnachtsmann wieder um sich. Unter der "Missgunst", die sich an solchen Lappalien festbeiße, könne man nur physisch leiden, beklagt die FAZ, die sich nicht in eine "abgehobene Parallelwelt" verabschieden will.

Die Nürnberger Nachrichten hingegen erwarten von Wulff eine eindeutige Distanzierung zu seinem "zumindest fragwürdigen" Verhalten. Er müsse keine Freundschaften aufkündigen, aber alles tun, um den "Hauch von Käuflichkeit zu entkräften", der ganz und gar nicht zu einem Staatsoberhaupt passe. Wulff bekomme bald eine gute Gelegenheit zur öffentlichen Rede: "Er wird in seiner Weihnachtsansprache kaum um klärende Worte herumkommen."

Das Neue Deutschland ist schon in Vorfreude auf dieses TV-Ereignis: "Das wird ein Fest! Oder eine schöne Bescherung für die Kanzlerin." Sollte Wulff bei seiner Ansprache an Heiligabend von Vorbildfunktion und Verantwortung reden, würde er "öffentlichen Selbstmord" begehen. Sollte er aber den moralischen Zeigefinger gar nicht heben, werde er seinem Amt nicht gerecht. "Fest steht, nicht nur Wulff ist in der Klemme. Auch die Kanzlerin kommt nicht ohne Blessuren davon. Aber vielleicht ist das auch der Sinn der Übung", orakelt das ND.