Die Ermittler wollen für ihre Suche nach Unterstützern der rechtsextremen Terrorgruppe aus Thüringen auch Hinweise aus der Öffentlichkeit nutzen. Nach Informationen der Tageszeitung (taz), will das Bundeskriminalamt ein Fahndungsplakat präsentieren. Die Ermittler interessiert, ob jemand in den vergangenen Jahren die Terrorverdächtigen Rechtsextremisten Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Z. gesehen hat. Wichtig sind demnach auch Hinweise auf Wohnmobile, die die Anhänger der Extremistengruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) nicht nur bei ihren Taten, sondern auch für Urlaubsreisen benutzt haben sollen.

In den letzten Tagen waren immer neue Details über Taten und Verbindungen der Thüringer Neonazi-Gruppe bekannt geworden, auch Hinweise auf Fahndungspannen und Versäumnisse. Derzeit sind etwa 400 Ermittler im Einsatz, 50 weitere sollen hinzukommen.

Am Dienstag war mit dem früheren NPD-Funktionär Ralf W. ein weiterer mutmaßlicher Unterstützer in Untersuchungshaft genommen worden. Derzeit sitzen bereits drei mögliche Helfer in Haft, außerdem die Hauptbeschuldigte Beate Z.. Die zwei weiteren Verdächtigen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt hatten sich am 4. November selbst getötet.

Der Gruppe werden unter anderem neun Morde an türkisch- und griechischstämmigen Kleinunternehmern, ein Mordanschlag auf zwei Polizisten in Heilbronn sowie mehrere Sprengstoffanschläge zur Last gelegt.

Politiker diskutieren NPD-Verbotsverfahren

Die Politik sieht nach der Festnahme von Ralf W. als Terrorhelfer neue Chancen für ein Verbot der rechtsextremen NPD. Sollten Kontakte der NPD zur Neonazi-Zelle nachweisbar sein, könnte dies im Falle eines Verbotsverfahrens ein wichtiges Argument sein, hatte Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) gesagt. Der Innenminister von Sachsen-Anhalt, Holger Stahlknecht, hält ein Verbot bei Verbindungen der Partei zu der Terrorgruppe für "unumgänglich". Eine Demokratie könne nicht dulden, "dass eine Partei zur Umsetzung ihrer politischen Ziele sich des Terrors bedient", sagte der CDU-Politiker.

Mehrere Verfassungsrechtler sehen für ein erneutes Verbotsverfahren jedoch geringe Chancen. 2003 war ein erster Versuch vor dem Bundesverfassungsgericht gescheitert. Damals konnte die Rolle von V-Leuten des Verfassungsschutzes in der NPD nicht eindeutig geklärt werden.