Christian Wulff wehrt sich gegen einen neuen Vorwurf der Vorteilsnahme und Beeinflussbarkeit. Der Bundespräsident ließ gegenüber dem Stern einen entsprechenden Verdacht wegen seines Urlaubs in einer Villa des Versicherungsmanagers Wolf-Dieter Baumgartl zurückweisen. Wulffs Anwälte von der Kanzlei Redeker Sellner Dahs teilten mit, dass er im Umgang mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden des Versicherungskonzerns Talanx Dienstliches und Privates "immer klar getrennt" habe.

Wulff und seine Frau Bettina hatten im März 2008 eine Woche kostenlos in Baumgartls Villa in dem toskanischen Küstenort Castiglioncello verbracht. Die besondere Gefahr für den Bundespräsidenten bei dieser Episode liegt darin, dass zum ersten Mal einer seiner Ferienaufenthalte in Häusern befreundeter Unternehmer in Zusammenhang mit einem speziellen politischen Engagement gebracht wird. Denn 2004 hatte Wulff sich als Ministerpräsident im Vermittlungsverfahren zum Alterseinkünftegesetz für die Interessen der Lebensversicherer eingesetzt. Wulffs Anwälte argumentieren nun, er habe damals "die dienstlichen Kontakte zur Förderung von Wirtschaft und Arbeitsplätzen" in Niedersachsen genutzt.

Die Anwälte räumten gegenüber dem Magazin außerdem erstmals ein, dass der Unternehmer Egon Geerkens vor dem Kauf des Hauses in Großburgwedel Wulff bei der "Suche nach einer geeigneten Immobilie" beraten habe. Dessen Frau Edith habe dann die Gewährung eines Privatkredits angeregt.

Der Staatsrechtler Hans Herbert von Arnim verwies auf den engen zeitlichen Zusammenhang zwischen dem am 25. Oktober gewährten Kredit und einer Reise nach China und Indien ab dem 2. Oktober 2008, bei der sich Wulff auch von Egon Geerkens begleiten ließ. Der zeitliche Zusammenhang spreche für einen – nach dem niedersächsischen Ministergesetz verbotenen – Amtsbezug bei dem zinsgünstigen Kredit, kritisierte von Arnim. Die Details des Kreditvertrags, vor allem den Zinssatz von vier Prozent, legt von Arnim als günstig für Wulff aus: "Geerkens mag keinen Verlust gemacht haben, aber Wulff hatte auf jeden Fall einen Vorteil."

CDU hofft auf Befreiungsschlag an Heiligabend

Der stellvertretende CDU-Vorsitzende in Niedersachsen, Herman Kues, erwartet eine Erklärung des Bundespräsidenten in eigener Sache in dessen Weihnachtsansprache: "Ich gehe davon aus, dass Christian Wulff eine kluge Rede halten und die Dinge offen ansprechen wird. Das wäre dann der Befreiungsschlag und das Ende der Debatte", sagte Kues. Die Vorwürfe gegen das Staatsoberhaupt nähmen inzwischen "bizarre Züge" an, sagte Kues, der Staatssekretär im Bundesfamilienministerium ist. Die Kritik einiger SPD-Politiker sei an Scheinheiligkeit nicht zu überbieten.

Die Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Gerda Hasselfeldt, forderte ein Ende der Debatte: "Aus Respekt vor dem Amt sollte die Diskussion unverzüglich eingestellt werden", sagte sie. Wulff habe in den letzten Tagen einen beachtlichen Beitrag zur Aufklärung der gegen ihn vorgebrachten Vorwürfe geleistet.