Bundespräsident Christian Wulff hat sich zur Kritik im Zusammenhang mit einem Privatkredit geäußert. "Man muss selber wissen, was man macht, und das muss man verantworten. Und das kann ich. Und das ist das Entscheidende", sagte Wulff dem Sender MDR Info.

"Die Bürger freuen sich darüber, wenn man sein Amt ausübt, wahrnimmt, ernst nimmt", sagte Wulff weiter. Das Wesentliche in seinem Amt sei, "dass man die Dinge bewertet, beurteilt und dann dazu steht und dann auch unterscheidet, wo ist etwas real und wo ist etwas mit sehr viel Staub aufwirbeln verbunden". Das müsse voneinander getrennt werden.

Die Opposition will sich indes mit den bisherigen Erklärungen des Bundespräsidenten zu seinem umstrittenen Privatdarlehen nicht zufriedengeben. Vertreter von SPD, Grünen und FDP forderten Wulff auf, alle offenen Fragen zu seinen Beziehungen zum Unternehmer Egon Geerkens zu klären.

"Es liegt jetzt an Herrn Wulff, seine Glaubwürdigkeit durch klare Aussagen schnell wiederherzustellen", sagte SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann der Bild am Sonntag. Auch die Grünen-Fraktionschefin Renate Künast sprach von einer "Bringschuld" Wulffs. Die Bürger hätten "ein Recht zu wissen, was war".

Die SPD verlangt überdies Antworten darauf, ob Wulff noch öfter in den Ferienhäusern der Unternehmer Carsten Maschmeyer auf Mallorca und Egon Geerkens in Florida Urlaub gemacht hat als bislang bekannt.

Schleswig-Holsteins SPD-Chef Ralf Stegner warf die Frage nach persönlichen Konsequenzen auf. "Wenn der Herr Bundespräsident nicht alle neuen Vorwürfe eindeutig, unzweifelhaft und unmittelbar ausräumen kann, wird er der Frage persönlicher Konsequenzen nicht länger ausweichen können", sagte Stegner der Welt am Sonntag. In der Affäre sei ein "kritischer Punkt erreicht, der keine weitere Hängepartie erlaubt".

Der FDP-Bundestagsabgeordnete Erwin Lotter legte Wulff den Rücktritt nahe. Der Bundespräsident sei "gefangen im spitzfindigen Formulierungskampf um seinen Hauskredit" sagte Lotter. "Der umgehende Rücktritt ist ein Gebot des Anstands und der Verantwortung."

Dagegen sieht der SPD-Innenpolitiker Dieter Wiefelspütz den Bundespräsidenten "zwar unter Druck, aber als Verfassungsorgan voll handlungsfähig". Dies sei entscheidend, weil der Bundespräsident Gesetze prüfen und unterzeichnen muss, sagte Wiefelspütz dem Focus. Er müsse es dabei "im Kreuz haben, Gesetze, die er für evident verfassungswidrig hält, nicht zu unterzeichnen". Wiefelspütz machte deutlich, dass er genau dies Wulff weiterhin zutraut.

Wulff steht wegen eines Privatkredits zum Kauf eines Eigenheims in Höhe von 500.000 Euro in der Kritik, den er von den vermögenden Eheleuten Edith und Egon Geerkens erhielt. Im Zuge dessen warf ihm Staatsrechtler Hans Herbert von Arnim vor, als niedersächsischer Ministerpräsident gesetzeswidrig gehandelt zu haben.

Über seine Anwälte wies Wulff den Vorwurf zurück, er habe einen besonders günstigen Kredit erhalten oder gegen das Ministergesetz verstoßen. Auf die Verwaltungsvorschrift zu dem Gesetz, das die Gewährung "zinsgünstiger Darlehen" ausdrücklich untersagt, ging Wulff einem Bericht der Welt am Sonntag zufolge trotz Nachfrage nicht ein.