Bundespräsident Christian Wulff hat es bedauert, den Privatkredit über 500.000 Euro bislang verschwiegen zu haben. "Ich erkenne an, dass hier ein falscher Eindruck entstehen konnte. Ich bedauere das", teilte Wulff in einer Erklärung mit. "Es wäre besser gewesen, wenn ich auf die Anfrage der niedersächsischen Abgeordneten im Landtag über die konkreten Fragen hinaus auch diesen privaten Vertrag mit Frau Geerkens erwähnt hätte, denn in der Sache hatte und habe ich nichts zu verbergen."

Wulff kündigte in seiner Erklärung an, er werde "um Transparenz herzustellen" die Unterlagen zu dem privaten Kreditvertrag zur Einsicht für interessierte Medien bei einem Anwaltsbüro hinterlegen. Der Bundespräsident hob zugleich hervor, die Wahrnehmung öffentlicher Ämter verlange "zu jedem Zeitpunkt ein hohes Maß an Integrität und Verantwortungsbewusstsein". Dies gelte "in ganz besonderer Weise für das Amt des Bundespräsidenten". "Ich habe bei Übernahme meines Amtes zugesagt, meine Pflichten gewissenhaft zu erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann zu üben. Dieser Anspruch ist mir Verpflichtung."

Wulff war wegen eines Kredits der Unternehmergattin Edith Geerkens aus dem Jahr 2008 in die Kritik geraten. Die niedersächsischen Grünen hatten im Februar 2010 nach geschäftlichen Beziehungen des damaligen Ministerpräsidenten Wulff zu dem Unternehmer Geerkens gefragt. Wulff ließ daraufhin im Landtag erklären, dass er mit Geerkens und dessen Firmen "in den letzten zehn Jahren keine geschäftlichen Beziehungen" unterhalten habe, ließ aber einen privaten Kreditvertrag über 500.000 Euro mit dessen Ehefrau unerwähnt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bezeichnete die Erklärung des Bundespräsidenten als wichtig. Wulff habe damit zur Klarheit beigetragen. Merkel betonte, dass sie die Arbeit des Bundespräsidenten schätze und würdige.

Die SPD im Bund begrüßte Wulffs Entschuldigung ebenfalls und will die Sache damit auf sich beruhen lassen. "Es verdient Respekt, dass Christian Wulff seine Fehler eingesteht", sagte der Geschäftsführer der Bundestagsfraktion, Thomas Oppermann. Wulff wolle nun offensichtlich zur Aufklärung beitragen. "Jeder Mensch kann Fehler machen", sagte Oppermann. Der Parlamentsgeschäftsführer der Unionsfraktion, Peter Altmaier (CDU), forderte ein Ende der Diskussion. "Christian Wulff hat sich schnell, umfassend und angemessen geäußert", sagte Altmaier. Er wünsche sich jetzt, "dass dies von allen Beteiligten anerkannt und die Debatte dann auch beendet wird".

SPD forscht weiter

Danach sieht es allerdings nicht aus. Die niedersächsische SPD unterstützt eine Initiative der Grünen, dass sich der Ältestenrat des Landtages mit der Frage beschäftigen soll, ob Wulff das Parlament richtig informiert habe. Zudem will die SPD untersuchen, ob Wulff als Ministerpräsident für mehr Urlaube als bislang bekannt Villen von befreundeten Unternehmern genutzt hat.

Die Landtagsfraktion hat deshalb eine Kleine Anfrage an die niedersächsische Landesregierung eingereicht, in der sie Auskunft über die Urlaubsaufenthalte des ehemaligen Ministerpräsidenten fordert. "Dass Wulff im Winter 2009 und im Sommer 2010 zweimal private Häuser von Unternehmern genutzt hat, lässt vermuten, dass dies kein Zufall ist, sondern System hat", hieß es in der SPD-Landtagsfraktion. Die Anfrage muss innerhalb von sechs Wochen beantwortet werden.

Weihnachten 2009 hatte die Familie Wulff in Florida das Ferienhaus von Geerkens genutzt, im Sommer 2010 dann war die Familie zu Gast in der Villenanlage des Multimillionärs Carsten Maschmeyer. Wulff hatte Geerkens als väterlichen Freund bezeichnet. Mit dem Ex-Finanzmanager Maschmeyer und dessen Lebensgefährtin Veronica Ferres ist das Ehepaar Wulff ebenfalls befreundet. Mit der Kleinen Anfrage will die SPD auch erfahren, ob sich das Land Niedersachsen am Umbau des von Wulff 2008 erworbenen Hauses in Burgwedel beteiligt hat.