"Besser die Wahrheit". So lautet der Titel eines Interview-Buches mit Christian Wulff, das 2007 erschienen ist. Der moralische Unterton des Satzes will so gar nicht zu der Geschichte passen, für die sich der Bundespräsident derzeit erklären muss. Denn es geht – wieder einmal – um seine guten, privaten Kontakte zur Wirtschaft als niedersächsischer Regierungschef.

"Ich fühle mich von Wulff getäuscht", sagt der Vorsitzende der grünen Landtagsfraktion Stefan Wenzel ZEIT ONLINE. "Herr Wulff hat einen rechtlichen Graubereich ausgenutzt", beklagt auch der frühere SPD-Fraktionsvorsitzende im niedersächsischen Landtag, Wolfgang Jüttner. Zumindest indirekt gelogen habe der damalige Ministerpräsident, finden die Linken.

Ein privater Kredit über 500.000 Euro

Wulffs Sprecher hat am Dienstag einen Bericht der Bild -Zeitung bestätigt, wonach der damalige Ministerpräsident 2008 einen 500.000 Euro schweren Privatkredit von einem befreundeten Osnabrücker Unternehmerehepaar angenommen hat. Genauer gesagt, von der Ehefrau des Unternehmers. Dafür zahlte der CDU-Politiker niedrigere Zinsen als damals üblich und finanzierte den Kauf seines Einfamilienhauses in Großburgwedel, in das er mit seiner zweiten Ehefrau Bettina und den Kindern zog. Der Kredit war auf fünf Jahre angelegt.

Der Name dieses Freundes ist ein altbekannter: Egon Geerkens. Bei ihm hatte Wulff im Dezember 2009 während einer Florida-Reise gewohnt. Bereits der Hinweg in die USA brachte der Familie Wulff nämlich Ärger ein: Sie flog auf Einladung des damaligen Air Berlin-Chefs Joachim Hunold erste Klasse, ohne den Aufpreis für die Tickets zu zahlen. Wulff entschuldigte sich kurz darauf.

"Die Unternehmerehefrau hat mit ihrem Mann natürlich nichts zu tun"

Doch die Opposition stöberte weiter. Ihr waren Wulffs gute Kontakte zur Wirtschaft schon lange suspekt. Am 18. Februar 2010 wurde eine parlamentarische Anfrage der Grünen im niedersächsischen Landtag behandelt. Darin wurde Wulff nach seinen "geschäftlichen Beziehungen" zum Air-Berlin-Chef, aber auch zu Egon Geerkens, befragt. Bestanden vielleicht Verbindungen des Ministerpräsidenten zu Firmen, an denen Geerkens beteiligt war? Oder wurden "Spenden bzw. Sponsoringleistungen" getätigt? Die Grünen fragten sehr ausführlich – nur nach der wirtschaftlichen Beziehung zwischen dem Ministerpräsidenten und Geerkens Ehefrau nicht. Das machte es Wulff sehr einfach, alle Fragen zu verneinen.

"Juristisch ist der Bundespräsident wohl auf der sicheren Seite", räumt Grünen-Landespolitiker Wenzel auch heute noch ein. Aber Wulff sei durchaus klar gewesen, dass es in der Befragung 2010 um mögliche wirtschaftliche Abhängigkeiten gegangen sei: "Da hat er uns entscheidende Details verschwiegen."

Der Sprecher des Bundespräsidenten sieht das anders: Die Anfrage der Grünen von 2010 habe sich doch auf "geschäftliche Beziehungen" bezogen. Bestanden habe aber nur eine Vereinbarung mit Geerkens Frau. Doch macht es das besser? Wirtschaftliche Beziehungen zur Unternehmerfamilie Geerkens sind damit ja keineswegs widerlegt – und nur darum geht es in diesem Fall.