Der Vorwurf, der im Raum steht, ist gravierend: Bundespräsident Christian Wulff soll in seiner Zeit als niedersächsischer Ministerpräsident im Landtag falsche Angaben über seine Beziehungen zu einem Osnabrücker Unternehmer gemacht haben. Zwei Abgeordnete der Grünen hatten ihn 2010 im niedersächsischen Landtag im Zusammenhang der Air-Berlin-Affäre gefragt, ob er geschäftliche Beziehungen zu dem Unternehmer Egon Geerkens oder zu einer Firma, an der dieser beteiligt war, gepflegt habe. Wulff hatte dies verneint.

Nun räumte Wulff aber ein, dass er bereits im Oktober 2008 von der Gattin Geerkens ein Darlehen über eine halbe Million Euro erhalten hatte – was ihm nun den Vorwurf einbringt, das Parlament getäuscht zu haben. Dies ließ Wulff, der sich zurzeit in Kuweit aufhält, vom Bundespräsidialamt zurückweisen. Die von den Grünen gestellte Anfrage sei "korrekt beantwortet" worden, erklärte Wulffs Sprecher Olaf Glaeseker in Berlin. Die Anfrage im Landesparlament habe sich auf geschäftliche Beziehungen zu dem Unternehmer Egon Geerkens oder zu einer Firma, an der dieser beteiligt war, bezogen. Bei dem fraglichen Vertrag hätte es sich aber um "eine Vereinbarung" mit Geerkens Ehefrau Edith zu einem "Darlehen aus ihrem Privatvermögen" gehandelt.

Landtags-Anfrage folgte auf Air-Berlin-Affäre

Auslöser für die Landtags-Anfrage der beiden Abgeordneten war eine Reise Wulffs nach Florida gewesen. Der damalige Ministerpräsident hatte seinen Weihnachtsurlaub 2009 in der US-Villa seines langjährigen Freundes Geerkens verbracht. Der Flug dorthin brachte Wulff die Air-Berlin-Affäre ein, weil er und seine Frau Bettina sich von der Fluggesellschaft kostenlos von der Economy- in die Businessclass hatten hochstufen lassen.

Die beiden Landtagsabgeordnete der Grünen fragten Wulff daraufhin, ob er zu Geerkens oder dem damaligen Air-Berlin-Chef Joachim Hunold geschäftliche Beziehungen unterhalten habe. Daraufhin ließ Wulff am 18. Februar 2010 im Landtag erklären: "Zwischen Ministerpräsident Wulff und den in der Anfrage genannten Personen und Gesellschaften hat es in den letzten zehn Jahren keine geschäftlichen Beziehungen gegeben."

Das Präsidialamt teilte nun zudem mit, mit dem Darlehen von Frau Geerkens hätten die Wulffs 2008 den Kauf ihres privaten Einfamilienhauses zu einem Zinssatz von vier Prozent finanziert. Die fälligen Zinsen seien fristgerecht gezahlt worden. Im Frühjahr 2010 sei das Privatdarlehen durch eine Bankfinanzierung mit niedrigerem Zinssatz abgelöst worden.

Edith Geerkens verteidigte die Konditionen des Privatkredits gegenüber Stern.de. Die von ihr mit den Wulffs vereinbarten Zinsen von vier Prozent "entsprachen den zu erwartenden Zinsen einer Bankanlage", sagte Geerkens. Dabei sei zu berücksichtigen, dass damals in der Bankenkrise "Bankanlagen als sehr unsicher galten".

Edith Geerkens hatte damals auch darauf verzichtet, ins Grundbuch eingetragen zu werden, um so das Darlehen abzusichern. Sie ließ sich auch Wulffs Grundschuldbrief nicht notariell abtreten. Das Darlehen habe aus ihrer Sicht "keinen Bezug zum Haus der Familie Wulff" gehabt, sondern wurde "privat zur freien Verfügung gewährt", sagte sie.