Aus dem Kreis der Zuhörer im Berliner Schloss Bellevue sind erste Details der Weihnachtsansprache des Bundespräsidenten bekannt geworden. Christian Wulff macht demnach in diesem Jahr den Zusammenhalt in der Gesellschaft und in Europa zum thematischen Zentrum seiner Rede.

Zu den Vorwürfen gegen seine Person wegen eines Privatkredits für den Hausbau der Familie habe der Bundespräsident nichts gesagt, verlautete es aus dem Teilnehmerkreis. Wulff wird derzeit dafür kritisiert, dass er 2008 von dem befreundeten Unternehmerpaar Geerkens einen zinsgünstigen Kredit für den Bau seines Hauses annahm und dies vor dem niedersächsischen Landtag verschwieg.

An der Aufzeichnung von Wulffs Weihnachtsansprache im Schloss Bellevue nahmen etwa 70 Gäste teil. Dazu gehörten Feuerwehrleute, Einwandererfamilien sowie Mitglieder des deutsch-israelischen Jugendwerks. Wulff hatte im vergangenen Jahr als erster Bundespräsident die traditionelle Ansprache zu Weihnachten vor Gästen gehalten. Sie soll am Sonntagabend gesendet werden.

Kurz bevor er 2008 den Kredit erhielt, hatte Wulff als niedersächsischer Ministerpräsident den Unternehmer Egon Geerkens auf eine seiner dienstlichen Reisen nach China mitgenommen. Der Kredit floss bisheriger Darstellung nach von einem Konto von Frau Geerkens, wurde aber auf ein gemeinsames Konto zurückgezahlt. Egon Geerkens hatte Wulff bei dem Immobiliengeschäft und dessen Finanzierung beraten.

Eine Anfrage des niedersächsischen Landtags Anfang 2010, ob irgendwelche Geschäftsbeziehungen zwischen Wulff und dem Unternehmer bestanden, hatte der damalige Ministerpräsident verneint.

Zuletzt wurde bekannt, dass der mit Wulff ebenfalls befreundete Unternehmer Carsten Maschmeyer eine Anzeigenkampagne eines Buches von Christian Wulff bezahlt hatte, mit dem er im Landtagswahlkampf von 2007 warb. Obwohl das Geld direkt an den Verlag floss, könnte dies ein Verstoß gegen das Gesetz zur Parteienfinanzierung sein. Zumal Maschmeyer von dem Verlag eine Rechnung über Beratungsleistungen erbat, nicht über die Anzeigenkampagne.

Zweifel an der klaren Trennung von Amt und Privatem gibt es im Zusammenhang mit mehreren Urlaubsaufenthalten. Wulff und seine Frau Bettina hatten im März 2008 eine Woche kostenlos in der Villa des Versicherungsmanagers Wolf-Dieter Baumgartl in dem toskanischen Küstenort Castiglioncello verbracht. 2004 hatte Wulff sich politisch für das Alterseinkünftegesetz im Interesse der Lebensversicherer eingesetzt.

Im Sommer 2010 hatte sich Wulff kurz nach seiner Wahl zum Staatsoberhaupt in einer Ferienanlage Maschmeyers auf Mallorca eingemietet. Am Sonntag hatte er eine Liste von Urlauben veröffentlichen lassen. Danach verbrachte er als Regierungschef zwischen 2003 und 2010 insgesamt sechs Aufenthalte bei Freunden in Spanien, Italien, Florida und auf Norderney.