Der Unternehmer Egon Geerkens hat nach Angaben der BW-Bank das Darlehen für den heutigen Bundespräsidenten Christian Wulff angebahnt. "Herr Wulff hat sich im Herbst 2009 telefonisch bei der BW-Bank gemeldet auf Empfehlung von Herrn Egon Geerkens. Dem ging ein Gespräch von Herrn Geerkens mit einem Kundenberater der BW-Bank voraus", teilte die Bank in Stuttgart mit.

Der umstrittene erste Darlehensvertrag sei am 21. März 2010 abgeschlossen worden. "Dieser bisher kurzfristig refinanzierte Geldmarktkredit wurde in ein langfristiges Darlehen geändert." Der entsprechende Vertrag sei am 12. Dezember 2011 von der Bank unterschrieben an Wulff geschickt worden. Wulff habe den Vertrag am 21. Dezember unterschrieben, sechs Tage später sei dieser bei der BW-Bank eingegangen. Zu Konditionen und zur Höhe der Kreditsumme machte das Institut mit Verweis auf das Bankgeheimnis keine Angaben.

Wulff stand zu diesem Zeitpunkt längst in der Kritik. Am 22. Dezember – dem Tag, nach dem er den neuen Darlehensvertrag unterschrieb  – hatte er sich für sein Vorgehen in der Kreditaffäre entschuldigt. Wulffs Anwalt teilte allerdings inzwischen mit, dieser habe den neuen Zinssatz ausgehandelt, bevor die Konditionen des ersten umstrittenen Kredits in die Kritik geraten sind. Der Zinssatz für das jüngste Darlehen sei am 25. November 2011 fixiert worden. Ein Sprecher des Geldinstituts bestätigte das.

Wulff hatte im Jahr 2008 als niedersächsischer Ministerpräsident von der Ehefrau des befreundeten Unternehmers Geerkens, Edith Geerkens, einen 500.000-Euro-Kredit für den Kauf eines Privathauses aufgenommen, diesen auf Nachfrage im niedersächsischen Landtag 2010 aber nicht erwähnt.

Der Kredit verschaffte ihm einen erheblichen finanziellen Vorteil, ähnlich offenbar wie jener bei der BW-Bank, mit dem er das Geerkens-Darlehen auslöste. Nach Spiegel-Recherchen hatte die Bank Wulff einen Kredit gewährt, bei dem die Zinsen zunächst lediglich bei 0,9 bis 2,1 Prozent lagen. Damit wären die Zinsen um die Hälfte niedriger als bei solchen Krediten gängig gewesen. Die BW-Bank gehört zur Landesbank Baden-Württemberg, die wiederum in Staatsbesitz ist.

Aufsichtsräte wollen Aufklärung

In den vergangenen Tagen hatte sich die Bank nicht offiziell zu dem Thema geäußert. Einige Aufsichtsratsmitglieder fordern aber eine Aufklärung der Zusammenhänge. Der Aufsichtsratschef der BW-Bank, Stuttgarts Oberbürgermeister Wolfgang Schuster (CDU), hatte vor einigen Tagen angekündigt, der Vorstand werde bei der nächsten Sitzung kurz über das Geschäft mit dem Bundespräsidenten berichten. Die ist allerdings erst für den 30. April 2012 geplant.

Aufsichtsrätin Roswitha Blind fordert, das Gremium solle sich wesentlich früher mit der Kredit-Affäre befassen. "Es muss eine Sondersitzung Anfang des Jahres geben". Es müsse geklärt werden, ob Bank-Mitarbeitern Untreue vorzuwerfen und ob bei der Kreditvergabe alles mit rechten Dingen zugegangen sei.

Blind, die auch SPD-Fraktionschefin im Stuttgarter Gemeinderat ist, wurde grundsätzlich: Ein Politiker, der als CDU-Beauftragter für die Reform der Landesbanken zuständig sei, sollte sich hüten, für einen Kredit Sonderkonditionen zu vereinbaren. Das gelte auch für das Institut. Wenn sie zudem von allen Kunden so wenig Zinsen verlangte wie von Wulff, dann wäre sie bald pleite. "Die Bank darf so etwas einfach nicht machen."

Gegen Verantwortliche der Bank wurden in den vergangenen Tagen zwei Anzeigen wegen des Verdachts der Untreue bei der Staatsanwaltschaft Stuttgart eingereicht.