In der Kredit- und Medienaffäre um Bundespräsident Christian Wulff hat sich erstmals ein Mitglied der Unionsfraktion im Bundestag öffentlich für dessen Rücktritt ausgesprochen. "Mein persönlicher Rat an ihn wäre, dass er sich und seiner Familie das nicht länger antut", sagte der CDU-Parlamentarier Karl-Georg Wellmann dem ZDF . Das Amt des Bundespräsidenten sei "schon jetzt beschädigt". Außerdem werde die Diskussion um Wulff so schnell nicht enden und die Dinge würden auch in einem Jahr nicht vergessen sein. Ein Ende mit Schrecken sei daher besser als ein Schrecken ohne Ende.

Laut einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ( FAZ ) gibt es in der Union die Befürchtung, die gegenwärtige Entwicklung greife auf Partei und Koalition über. Zwar steht Kanzlerin Angela Merkel ( CDU ) offiziell auch weiterhin hinter Wulff, doch innerhalb der Fraktion würde ihre Stimmung anders wahrgenommen. Sie sei aufgrund der anhaltenden Debatte über Wulff und dessen Krisenmanagement "not amused".

In der Unionsfraktion heißt es dem Bericht zufolge, viele Abgeordnete hätten angesichts empörter Schreiben von Bürgern das Gefühl, die Stimmung innerhalb der Bevölkerung "kippe dramatisch". Wulff begegne dem mit "Agonie". Das Blatt berichtet, seit Tagen sei unter den Unionsabgeordneten die Auffassung verbreitet, Wulff sei nicht mehr im Amt zu halten. Die Führung der Fraktion könne und wolle Wulff nicht mehr kameradschaftlich zur Seite stehen.

Björn Thümler, der CDU-Fraktionschef im niedersächsischen Landtag, forderte Wulff auf, die von ihm versprochene Transparenz einzuhalten . Alle 450 Fragen und Antworten sollten veröffentlicht werden, sagte er Medienberichten zufolge. Es sei auch in Ordnung, wenn jeder Interessierte die Antworten bei Wulffs Anwälten anfordern könne. "Das ist unsere Forderung, darauf müssen wir auch drängen. Sonst ist ein Ende dieser Debatte nicht möglich."

Der Einwand von Wulffs Anwälten, dies sei aus rechtlichen Gründen nicht möglich, möge zwar juristisch richtig sein. "Aber es ist politisch falsch", sagte Thümler. "Wulff hat im Fernsehen zugesichert, dass die 450 Fragen beantwortet und offengelegt werden. Ich denke, darauf warten wir alle und das muss jetzt auch passieren." Wulff war vor seiner Wahl zum Bundespräsidenten als CDU-Politiker Ministerpräsident von Niedersachsen .

In Schutz genommen wurde Wulff dagegen von CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe. "Wulff hat im Internet für alle zugänglich, umfassend und detailreich über seinen Hauskredit sowie verschiedene Urlaubsaufenthalte informiert. Dies sollte man jetzt auch anerkennen", sagte Gröhe.