Der Chef der Piraten in Schleswig-Holstein heißt Torge Schmidt. Er ist Student, Jahrgang 1988, und ziemlich selbstbewusst. Bei der Landtagswahl im kommenden Mai will er seine Partei auf "sieben bis acht Prozent" sehen.

Schmidt schwärmt von der Mitgliedszahl seiner Landespartei, die sich in kurzer Zeit verdoppelt hat (auf jetzt 650) und von der neuen Landesgeschäftsstelle in Kiel , die in der vergangenen Woche eröffnet worden ist. Das Wahlprogramm sei auch schon "zu 80 Prozent" fertig. Top-Thema hierin sind – für Piraten nicht verwunderlich – Transparenz und Internet. Es werden aber auch Offline-Themen wie die Landwirtschaft behandelt. Die Piraten im Norden sind gegen die Gen-Technik.

Mit dieser Erweiterung vollziehen die Schleswig-Holsteiner eine Entwicklung der ganzen Bundespartei nach. Die Piraten wollen sich etablieren und professionalisieren. Sie wollen sich inhaltlich breiter aufstellen, Strukturen schaffen und mehr Kompetenz anhäufen. Zwar sind sie in den Umfragen noch nicht ganz so stark wie von Schmidt gewünscht. Auch auf Bundesebene haben sie im Vergleich zum vergangenen Herbst ein wenig an Zustimmung verloren. Dennoch ist ihr zweiter Einzug in ein Landesparlament tatsächlich nicht unwahrscheinlich . Es wäre nach dem Erfolg in Berlin ein Erfolg in einem gänzlich anderen Bundesland, in einem ländlichen, westdeutschen.

Die Devise: Aus Berliner Fehlern lernen

Anfängerfehler, wie sie in Berlin gemacht worden sind, sollen in Kiel vermieden werden. Stolz referiert Schmidt den Schuldenstand seines Bundeslandes: "27,6 Milliarden". Der Berliner Spitzenkandidat Andreas Baum hatte noch passen müssen, als er in einer TV-Runde nach Berlins Schuldenberg gefragt worden ist. Auch interne Streitigkeiten und kleinere Skandale, mit denen die Berliner von sich reden machten, wollen die Kieler vermeiden.

Drei Monate liegen zwischen dem Einzug ins Berliner Landesparlament und heute. Dass sich seitdem etwas verändert hat, merkt man deutlich, als sich Schmidt und drei andere Piraten den Fragen der Bundespressekonferenz stellen. Es geht schon damit los, dass der Andrang der Hauptstadtpresse diesmal sehr viel geringer ist als beim ersten Auftritt der Spitzenpiraten in Berlin. Diese neue, junge Partei faszinierte und reizte die Medien . Diesmal gibt es etliche leere Stühle. Die Fragen klingen nicht mehr so neugierig, sondern routinierter.

Auch die Akteure haben sich verändert, sie sind routinierter geworden. Der 28-jährige Parteivorsitzende Sebastian Nerz lächelt gequält, wenn ihm unbequeme Fragen gestellt werden. Die 24-jährge Bundesgeschäftsführerin Marina Weisband klagt über stereotype Berichterstattung. Die Anzahl der Phrasen hat sich erhöht. Ein bisschen klingt der Dialog zwischen Piraten und Journalisten wie bei etablierten Parteien. Es ist fast ein bisschen langweilig.