Innerhalb der SPD gibt es Uneinigkeit über Konsequenzen bei einem möglichen Rücktritt des Bundespräsidenten Christian Wulff . Während Generalsekretärin Andrea Nahles in diesem Fall auch die Neuwahl des Bundestags fordert, sieht SPD-Chef Sigmar Gabriel dafür keinen Grund. "Wenn Christian Wulff zurücktreten sollte, würde die SPD nicht versuchen, daraus parteitaktische Vorteile zu ziehen", sagte er der Frankfurter Allgemeinen Zeitung .

Nahles hatte sich mit ihrer Forderung nach einer Bundestagsneuwahl dem Vorwurf parteipolitischer Taktik ausgesetzt. Berichte über ein gestörtes Verhältnis zwischen Gabriel und Nahles hatte die SPD Anfang Januar dementiert.

Gabriel bot der Koalition aus Union und FDP an, im Fall eines Rücktritts von Wulff gemeinsam eine geeignete Persönlichkeit für die Nachfolge zu benennen. Er fügte hinzu: "Die SPD wollte und will keinen parteipolitischen Streit um das Amt des Bundespräsidenten." Die SPD würde daher "auch keine weiteren Forderungen wie etwa die nach Neuwahlen erheben".

CDU spricht vom schäbigen Spiel der Opposition

Die CDU wies Gabriels Angebot zurück. Generalsekretär Hermann Gröhe sprach von einem "weiteren Akt im schäbigen Spiel der Opposition". Die SPD missbrauche die Diskussion um den Bundespräsidenten "für ihre kleinkarierte Machttaktiererei", sagte Gröhe der Stuttgarter Zeitung . Seiner Meinung nach gäbe es keinen Grund, über eine Neuwahl des Bundespräsidenten nachzudenken, sagte Gröhe der Süddeutschen Zeitung . Der CSU-Politiker Stefan Müller sprach in der Leipziger Volkszeitung von einem Beleg für "die Gewissenlosigkeit der Sozialdemokratie, die Stabilität unseres Staates der Parteipolitik zu unterwerfen".

Wulff steht seit über drei Wochen wegen eines privaten Hauskredits, den er vor seinem Amtsantritt bei der Frau des befreundeten Unternehmers Egon Geerkens aufnahm, in der Kritik. Der Druck auf Wulff stieg weiter, als sein Umgang mit der Berichterstattung öffentlich wurde. Wulff soll Mitte Dezember dem Chefredakteur der Bild , Kai Diekmann, auf seiner Mailbox mit Konsequenzen gedroht haben , sollte Diekmann einen Artikel über den Kredit publizieren. Öffentlich wie auch intern hat Wulff deutlich gemacht, dass er nicht an Rücktritt denkt.