Der Anwalt von Bundespräsident Christian Wulff widerspricht laut einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) seiner eigenen Stellungnahme: Gernot Lehr soll bereits am 23. Dezember 2011 die Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) im Einzelnen über Presseanfragen zur Kreditaffäre Wulffs informiert haben, schreibt die FAZ in ihrer Online-Ausgabe. Lehrs eigenen Worten zufolge fallen derartige Fragen jedoch unter die anwaltliche Verschwiegenheitspflicht und dürfen daher nicht veröffentlicht werden.

In dem FAZ-Artikel heißt es, Lehr habe den Mailverkehr mit dem Welt-Journalisten Jörg Eigendorf vom 21. Dezember an die FAS weitergeleitet. Die Nachrichten enthielten "zahlreiche detaillierte Fragen des Journalisten zu Wulffs Krediten bei der BW-Bank, die Antworten Lehrs, Nachfragen und weitere Antworten sowie Kontaktdaten".

Einen Tag später, am 22. Dezember, habe Lehr erneut eine Mail des Welt-Redakteurs mit 13 weiteren Nachfragen an die FAS weitergegeben. Zwar habe seine Anwaltskanzlei im Anhang der eigenen Nachricht Vertraulichkeit gefordert, unter der weitergeleiteten Mail hätten entsprechende Hinweise aber gefehlt.

Es habe sich um "bedauerliches Versehen" gehandelt

Lehr bedauerte dies später gegenüber der FAS. Sie zitierte ihn mit den Worten: "Das war nicht im Auftrag meines Mandanten, nicht mit dem Bundespräsidenten abgestimmt." Vielmehr habe es sich dabei um ein "bedauerliches Versehen" gehandelt.

Am Mittwoch dieser Woche jedoch hatte Lehr mitgeteilt, die Veröffentlichung der im Zusammenhang mit Wulffs Kreditaffäre gestellten Fragen und der dazugehörigen Antworten würde "das Recht der jeweils anfragenden Journalistinnen und Journalisten am eigenen Wort und an dem Schutz ihrer Rechercheergebnisse oder -ziele verletzen". Seine Kanzlei sei daher "aus Rechtsgründen" an einer Veröffentlichung gehindert.

Zuvor hatte Wulff in seinem Interview mit ARD und ZDF zugesichert, auf die 400 Fragen der Journalisten "gerne 400 Antworten" geben zu wollen. Damit sollten in der Transparenz "neue Maßstäbe" gesetzt werden. "Morgen früh werden meine Anwälte alles ins Internet einstellen. Dann kann jede Bürgerin, jeder Bürger, jedes Detail zu den Abläufen sehen (...)", so der Bundespräsident weiter.