Eine Beziehung ist in diesen Tagen vollends zerbrochen: Die Bild -Zeitung und Christian Wulff – eine Zeitlang haben Deutschlands größte Boulevardzeitung und der heutige Bundespräsident ausgesprochen gut miteinander kooperiert. Der Ton der Bild war - entgegen ihrer sonst oft giftigen, reißerischen Berichterstattung - auffallend milde und Wulff-freundlich. Mal feierte das Blatt, wie "toll er sein neues Leben" meistere, nachdem seine erste Ehe gescheitert war. Mal war Wulffs neue Frisur eine Schlagzeile wert ("Kurz, frech, frisch") und immer wieder Wulffs zweite Gattin Bettina: "Unsere Lady Lässig".

An der freundlichen Berichterstattung war Wulff nicht unbeteiligt. Er informierte das Blatt stets zuvorkommend, auch und gerade in privaten Angelegenheiten. Sein langjähriger Sprecher Olaf Glaeseker, von dem sich Wulff kurz vor Weihnachten trennte, galt als derjenige, der den Kontakt zu dem Boulevardblatt intensivierte und pflegte. In Niedersachsen erinnern sich viele noch gut an die "süßen Staatsgeheimnisse" (so lautet eine weitere Schlagzeile), die die Bild exklusiv in Wulffs Ministerpräsidentenzeit veröffentlicht hat.

All das ist nun aus und vorbei. Die einst so symbiotische Beziehung: ein Scherbenhaufen. Wulff drohte in einem Telefonanruf am 12. Dezember beim Bild -Chefredakteur Kai Diekmann mit dem "endgültigen Bruch" zwischen ihm und dem Springer-Verlag. Die Bild hat dieses Telefonat, von dem mehrere Zeitungen an diesem Montag berichtet haben, inzwischen bestätigt.

Die Union hoffte: Nach Weihnachten ist die Affäre vorbei

Der Schaden, den Wulff sich eingebrockt hat, ist groß. Nicht nur dass Wulff die meinungsmächtigen Springer-Blätter gegen sich aufgebracht hat. Auch ein neuer Vorwurf steht nun im Raum: Wulff habe versucht, "kritische Berichterstattung zu unterbinden", so formuliert es am Montag SPD-Fraktionsvize Hubertus Heil . Das stehe einem Staatsoberhaupt nicht zu, sagt Heil. Sein "persönliches Vertrauen" in Wulff sei inzwischen "erschüttert". Eine Formulierung, die zeigt, wie vorsichtig die SPD nach wie vor mit dem Bundespräsidenten umgeht.

Relativ zurückhaltende Töne kamen auch vom Linken-Chef Klaus Ernst . Er habe den Wunsch, dass der Bundespräsident "den Vorwurf des persönlichen Fehlverhaltens wirklich entkräftet". Andere in der Opposition gehen dagegen weiter und legen ihm den Rückzug "in sein Einfamilienhaus" nach Großburgwedel nahe, so zum Beispiel der rheinland-pfälzische SPD-Generalsekretär Alexander Schweitzer.

Angespannt ist die Lage dagegen in den Regierungsparteien, die Wulff gewählt haben und sich für ihn rechtfertigen müssen. Mitte Dezember stieß man in der Union oft auf die Formulierung: "Nach Weihnachten" sei das Thema erledigt. Bis dahin wolle man öffentlich nicht viel sagen, auch um das Amt nicht zu beschädigen, so erklärten sich beispielsweise die Schäubles, Schavans und Altmeiers.