Die Staatsanwaltschaft Hannover hat die Privat- und Geschäftsräume des früheren Sprechers von Bundespräsident Christian Wulff , Olaf Glaeseker, durchsuchen lassen. Eine Razzia gab es auch beim Eventmanager Manfred Schmidt. Beiden werde Bestechlichkeit beziehungsweise Bestechung zur Last gelegt, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Es bestehe der Verdacht, dass Glaeseker als niedersächsischer Regierungssprecher die Veranstaltung und Finanzierung des von Schmidt ausgerichteten Nord-Süd-Dialogs gefördert und dafür mehrfach unentgeltlich Urlaube in Feriendomizilen Schmidts verbracht habe .

Es wurden Immobilien in Wunstorf bei Hannover, Berlin und der Schweiz durchsucht. Die Ermittler stellten Computerdateien und Dokumente sicher.

In den vergangenen Wochen waren bei den Strafverfolgern in Hannover im Zusammenhang mit Wulffs Kreditaffäre zahlreiche Anzeigen gegen das Staatsoberhaupt, aber auch gegen Glaeseker eingegangen.

Wulff hatte seinen langjährigen Vertrauten kurz vor Weihnachten ohne Angabe von Gründen entlassen . Während es bei Wulff laut Staatsanwaltschaft keinen Anfangsverdacht für eine Straftat gibt und kein Ermittlungsverfahren eingeleitet wurde, hatte die Behörde bei Glaeseker zuletzt davon gesprochen, das weitere Vorgehen zu prüfen.

Wulffs Rolle als Schirmherr umstritten

Allerdings steht auch Wulff wegen seiner Verbindung zum Eventmanager Schmidt in der Kritik. Er soll als damaliger Ministerpräsident Sponsoren für den Nord-Süd-Dialog geworben haben . Vor dem Landtag in Hannover sagte dazu nun der heutige niedersächsische Finanzminister Hartmut Möllring ( CDU ), die Landesregierung habe den Nord-Süd-Dialog nicht finanziell unterstützt. Als Schirmherr des Treffens habe Wulff aber mit Sicherheit dem ein oder anderen gesagt: "Das ist eine wichtige Sache, da sollten Sie sich beteiligen."

Wulff steht seit Mitte Dezember wegen eines zinsgünstigen Hauskredits, wegen Urlauben bei vermögenden Freunden und wegen seines Umgangs mit den Medien in der Kritik. Am Mittwoch hatten seine Anwälte 240 Seiten Medienanfragen und Antworten zu den Vorwürfen ins Internet gestellt .

Die Vorsitzende der Antikorruptionsorganisation Transparency International hält die Antworten Wulffs nicht für ausreichend. "Vielleicht sind auch zum Teil noch nicht die richtigen Fragen gestellt worden", sagte Edda Müller . Die entscheidende Frage sei für sie, ob es einen Zusammenhang von möglichen Vorteilen, die Wulff in seiner Zeit als Ministerpräsident gewährte, und Unterstützung wie etwa Reisen gebe. Das sei bislang noch "völlig offen".