Bundespräsident Christian Wulff soll versucht haben, mit Drohungen gegen Journalisten die Veröffentlichung von Berichten über seinen Privatkredit zu verhindern. Bevor die Bild -Zeitung die Informationen über den umstrittenen Kredit veröffentlichte, soll Wulff dem Axel Springer Verlag mit einem "endgültigen Bruch" gedroht haben, sollte diese "unglaubliche" Geschichte tatsächlich erscheinen, berichtet die Süddeutsche Zeitung .

Wulff soll demnach versucht haben, Bild -Chefredakteur Kai Diekmann direkt zu erreichen. Zum Zeitpunkt seines Anrufs befand sich Wulff in Kuwait . Da er Diekmann nicht erreicht haben soll, hinterließ er ihm eine Nachricht. Der Bundespräsident habe zudem mit einem Strafantrag gegen die in der Affäre recherchierenden Journalisten gedroht, heißt es in dem Bericht weiter.

Wulff habe später erneut Kontakt zu dem Bild -Chefredakteur aufgenommen und seinen früheren Anruf bedauert. Der Axel Springer Verlag berichtete selbst nicht über die versuchte Einflussnahme. Aus dem Umfeld Wulffs will die Süddeutsche Zeitung erfahren haben, der Anruf des Präsidenten sei "nicht besonders geschickt" gewesen.

Verhältnis schon im Präsidentenwahlkampf abgekühlt

Als niedersächsischer CDU-Politiker sei Wulff einen positiveren Umgang der Springer-Medien mit ihm gewohnt gewesen, daher habe ihn die Bild -Veröffentlichung geschockt, berichtet die Süddeutsche Zeitung weiter. Das Verhältnis sei schon im Präsidentenwahlkampf abgekühlt, als die Springer-Presse Sympathien für den rot-grünen Gegenkandidaten Joachim Gauck zeigte.

Wulff steht wegen eines günstigen Hauskredits der baden-württembergischen BW-Bank in der Kritik . Der Bundespräsident hatte sich zu Zeiten als niedersächsischer Ministerpräsident eine halbe Million Euro von der Frau des befreundeten Unternehmers Egon Geerkens geliehen, später löste er den Kredit durch ein besonders zinsgünstiges Darlehen der BW-Bank ab.

Wegen der Finanzierung seines Eigenheims war über Wulff auch über die Feiertage viel in den Medien zu lesen . Neben den Unklarheiten über die Abläufe der Kreditvergabe tauchten zuletzt Spekulationen über die Verbindung Wulffs zur BW-Bank auf, die den Geerkens-Kredit ablöste.

Kredit als Dankeschön für Porsche-Rettung

Wulff und die Bank wiesen einen Spiegel -Bericht zurück, wonach es möglicherweise einen Zusammenhang zwischen dem Privatkredit und dem Einstieg von VW ( Wolfsburg ) bei Porsche ( Stuttgart ) gegeben habe. Das Magazin schlussfolgerte, Wulff habe die guten Konditionen von der BW-Bank als Dankeschön dafür erhalten, dass er 2009 als niedersächsischer Ministerpräsident gemeinsam mit VW die Nobelmarke Porsche gerettet und damit auch der Bank geholfen habe. Banksprecher Manfred Rube bezeichnete dies als "absoluten Blödsinn".

Weiterhin im Blickfeld steht der Ablauf der Kreditumwandlung Wulffs mit der BW-Bank. Nach Angaben des Finanzinstituts wandelte Wulff seinen Kredit erst kurz vor Weihnachten vertraglich in ein langfristiges Darlehen um. Zu diesem Zeitpunkt sorgten seine angeblich besonders günstigen Kreditkonditionen bei der Bank bereits für Wirbel.

Die BW-Bank gehört zur Landesbank Baden-Württemberg , die wiederum in Staatsbesitz ist. Nach Spiegel -Recherchen hatte die Bank Wulff einen Kredit gewährt, bei dem die Zinsen zunächst lediglich bei 0,9 bis 2,1 Prozent lagen. Damit wären die Zinsen um die Hälfte niedriger als bei der Immobilienfinanzierung anderer Kunden.