In der Kredit- und Medienaffäre um Bundespräsident Wulff sollen offenbar doch nicht alle Details an die Öffentlichkeit dringen. Wulffs Anwalt Gernot Lehr hat die Veröffentlichung einer detaillierten Dokumentation von Fragen und Antworten zu Wulffs Hauskredit und seinen Kontakten zu Unternehmern abgelehnt. Lehr berief sich gegenüber dem Tagesspiegel laut Vorabbericht auf die anwaltliche Schweigepflicht, unter die der "im Mandantenauftrag geführte Schriftverkehr zwischen Anwälten und Dritten" falle. "Aus diesem Grund sowie aus Gründen der praktischen Handhabbarkeit für alle Beteiligten ist eine zusammenfassende Stellungnahme erfolgt."

Wulff hatte in der vergangenen Woche in seinem Interview mit ARD und ZDF gesagt: "Ich gebe Ihnen gern auf die 400 Fragen 400 Antworten." Er wolle in der Transparenz "neue Maßstäbe" setzen. "Morgen früh werden meine Anwälte alles ins Internet einstellen. Dann kann jede Bürgerin, jeder Bürger, jedes Detail zu den Abläufen sehen (...)", so der Bundespräsident weiter.

Wulffs Anwalt Lehr verwies nun gegenüber dem Tagesspiegel auf eine auf den 5. Januar datierte schriftliche Stellungnahme seiner Kanzlei, in der die Antworten auf die Medienfragen zusammengefasst worden seien. In der sechsseitigen Stellungnahme, die von der Kanzlei auch im Internet veröffentlicht wurde , geht es um den Privatkredit für Wulffs Haus, seine Urlaube in den Anwesen befreundeter Unternehmer und die vom Unternehmer Carsten Maschmeyer bezahlte Zeitungsanzeige für ein Buch von Wulff. Die umstrittenen Beschwerdeanrufe Wulffs beim Springer-Verlag werden darin nicht erwähnt.

Am Dienstagvormittag will Wulff das Diplomatische Korps zum Neujahrsempfang im Schloss Bellevue begrüßen. Dabei ist ein Empfang für die rund 200 Gäste im Großen Saal geplant, wo Wulff eine Ansprache halten will.