Die Landesregierung Niedersachsen hat sich entgegen der Beteuerungen des damaligen Ministerpräsidenten und heutigen Bundespräsidenten Christian Wulff doch an der Sponsorensuche für die Veranstaltungsreihe Nord-Süd-Dialog beteiligt. Eine Sprecherin des Versicherungskonzerns Talanx, der den Nord-Süd-Dialog 2009 finanziell unterstützte, bestätigte auf Anfrage der ZEIT, von Wulff auf die Veranstaltung aufmerksam gemacht worden zu sein und daraufhin aus der Staatskanzlei Hannover eine E-Mail mit weiteren Informationen zum Nord-Süd-Dialog erhalten zu haben. Der E-Mail angehängt war ein neunseitiges Werbepapier des Nord-Süd-Dialogs, dessen Organisator der Eventmanager und Wulff-Freund Manfred Schmidt war.

In dieser Präsentation werden "700 besondere Persönlichkeiten" angekündigt. Weiter heißt es: "Die Qualität der Partner aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Medien erlaubt, dass aus dem kreativen Austausch verbindliche Unternehmungen werden." Der Vorgang steht im Gegensatz zu den Darstellungen der niedersächsischen Landesregierung und den Ausführungen von Wulffs Anwalt.

Christian Wulff, damals niedersächsischer Ministerpräsident und Schirmherr des Nord-Süd-Dialogs, habe Talanx-Vorstand Herbert Haas auf die Veranstaltung hingewiesen, sagte die Sprecherin. Haas habe um weitere Informationen gebeten, die die Staatskanzlei dann dem Konzern per E-Mail zukommen ließ. Talanx unterstützte die Veranstaltung mit 10.000 Euro.

Ein Bobby-Car und neue Fragen

Wulff hatte stets bestritten, an der Suche nach Sponsoren beteiligt gewesen zu sein. Bereits im Frühjahr 2010 hatte die niedersächsische Landesregierung erklärt, bei dem Nord-Süd-Dialog handele es sich um eine Privatveranstaltung, "es gibt keine Beteiligung oder Finanzierung durch das Land Niedersachsen". Bei dieser Darstellung ist Christian Wulff geblieben: "Die Einwerbung von Sponsoren für den Nord-Süd-Dialog, bei dem es sich um eine privat organisierte und finanzierte Veranstaltung handelte, oblag dem Veranstalter", heißt es in einer Stellungnahme von Wulffs Anwalt.

Der Bundespräsident ist seit Wochen unter Druck, weil er 2008 einen zinsgünstigen Privatkredit annahm. Das Geld kam von einem befreundeten Unternehmerpaar, der Unternehmer Egon Geerkens hatte Wulff als Ministerpräsident Niedersachsens auf Auslandsreisen begleitet. Als die Bild-Zeitung im Dezember 2011 darüber berichten wollte, drohte Wulff – als Bundespräsident – der Redaktion mit Konsequenzen. Zudem wurde bekannt, dass Wulff teils kostenlos bei befreundeten Unternehmern Urlaube verbrachte. Die Berliner Zeitung berichtete, für ein Geschenk eines Autohauses an seinen Sohn habe sich Wulff auf Briefpapier des Bundespräsidenten bedankt.