In der niedersächsischen CDU wächst die Kritik an Bundespräsident Christian Wulff wegen der neuen Vorwürfe in der Kredit-Affäre . "Viele Parteifreunde haben bei mir angerufen. Alle äußerten sich negativ zu Wulffs Verhalten", sagte der stellvertretende Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion, Karl-Heinz Klare, der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung . "Die Leute wollten totale Aufklärung, sonst wird das Amt des Bundespräsidenten beschädigt."

Auch beim Koalitionspartner der Union weitet sich die Kritik deutlich aus. Der stellvertretende FDP-Vorsitzende Holger Zastrow forderte Wulff auf, zu seinen Anrufen bei der Leitung der Bild -Zeitung Stellung zu nehmen. Wulff müsse sich noch in dieser Woche erklären, sagte Zastrow. Persönlich zum Hörer zu greifen und einem Chefredakteur auf die Mailbox zu sprechen, um einen Bericht zu verhindern, zeuge nicht von der Größe, die er von einem Staatsoberhaupt erwarte.

Der FDP-Bundestagsabgeordnete Erwin Lotter bekräftigte seine Forderung nach einem Rücktritt Wulffs. "Mit seinem kruden Verfassungsverständnis von Pressefreiheit hat sich Wulff endgültig für das Amt diskreditiert", sagte er.

Zuvor waren neue Vorwürfe gegen Wulff in der Affäre um einen Privatkredit aus seiner Zeit als niedersächsischer Ministerpräsident bekannt geworden. Die Bild -Zeitung bestätigte Presseberichte, Wulff habe in einem Anruf bei Chefredakteur Kai Diekmann versucht, einen Artikel über den Kredit zu verhindern und dem verantwortlichen Redakteur mit strafrechtlichen Konsequenzen gedroht.

Auch beim Vorstandschef des Axel Springer Verlags, Mathias Döpfner , intervenierte Wulff laut Bild erfolglos. Außerdem soll er die Verlags-Mehrheitsaktionärin Friede Springer eingeschaltet haben, hieß es in der Online-Ausgabe des Politikmagazins Cicero . Ein Springer-Sprecher sagte dazu jedoch: "Dazu ist uns nichts bekannt."

Während das Bundespräsidialamt zu den Vorwürfen bislang schweigt, rügte der Deutsche Presserat das Vorgehen Wulffs. Die SPD gab ihre Zurückhaltung auf und übte erstmals scharfe Kritik an dem Präsidenten. Auslöser der Affäre ist ein zinsgünstiger Kredit über 500.000 Euro, den die Gattin eines befreundeten Unternehmers Wulff 2008 gewährt hatte.

Der Deutsche Journalisten-Verband DJV und die Deutsche Journalisten-Union dju hatten bereits das Verhalten Wulffs kritisiert. "Prominente müssen sich kritische Berichterstattung als Teil der Meinungsfreiheit gefallen lassen", sagte der DJV-Vorsitzende Michael Konken . Das müsse niemand besser wissen als der erste Mann im Staat. "Auch der Bundespräsident muss sich selbstverständlich kritische Berichterstattung gefallen lassen", erklärte der dju-Vorsitzende Ulrich Janßen.