Peter Altmaier ist immer noch in Erklärungsnot. Das zeigt ein eher ungewöhnlicher Vorgang am Ende seiner regelmäßigen Pressekonferenz am Dienstagmorgen. Der Unionsfraktionsgeschäftsführer, der sonst ausschließlich über die bevorstehende Plenarwoche referiert und als Vertreter seiner Abgeordneten spricht, äußerte sich "in eigener Sache" zu seinem viel besprochenen Tweet von vergangener Woche .

Bezüglich "Stil und Formulierung" würde er heute beim Twittern zur Causa Wulff bestimmt anders agieren, sagte Altmaier.  "Wünsche mir, dass Christian seine Anwälte an die Leine legt und die Fragen/Antworten ins Netz stellt", hatte der Strippenzieher in der 237 Mitglieder zählenden Unionsfraktion am vergangenen Mittwoch salopp getwittert .

Nie hätte er gedacht, welche Wogen diese Nachricht schlagen würde, sagte Altmaier am Dienstag. Das mag sein – und ist trotzdem auch ein bisschen geschummelt: Der Unionsfraktionsgeschäftsführer ist ein Medienprofi. Sein öffentliches Wort gilt was in Berlin , auch weil er gute Kontakte zur Kanzlerin unterhält. Dass sein Tweet als späte Distanzierung zum Bundespräsidenten verstanden werden musste, dürfte ihn nicht überrascht haben. Schließlich ging Altmaier vor Weihnachten noch als Verteidiger seines CDU-Weggefährten in alle Talkshows. Seit dem neuen Jahr sind seine Bekenntnisse zum Thema knapper und weniger geworden.

Hintertür für Konsequenzen

Die komplette Führungsriege der Union übt sich momentan im Spagat: Sie hält demonstrativ an Wulff fest und fordert ein Ende der Debatte. Gleichzeitig kritisiert sie das Krisenmanagement des Präsidenten, also vor allem, dass er so viele Fragen zu seinem Hauskredit und seinen Beziehungen zu Unternehmern nicht ausreichend beantwortet hat. Hier lässt sich die Union eine Hintertür für mögliche spätere Konsequenzen offen.

So erneuerte Altmaier am Dienstag in der Pressekonferenz sein Bekenntnis zu Wulff. Er glaube, dass dieser "nach wie vor ein guter Bundespräsident sein kann und Vertrauen wiedergewinnen kann." Die Betonung liegt auf dem "kann", gesichert ist nichts. Es gebe bis jetzt keine "strafrechtlich relevanten" Vorwürfe gegen das Staatsoberhaupt, wiederholte Altmaier mehrmals. Bisher sei kein Vorwurf gegen ihn "substanziviert belegt". Doch müsse Christian Wulff weitere Fragen beantworten, um der Debatte ein Ende zu bereiten.

Auch Angela Merkel weist immer wieder darauf hin, dass Wulff weiter aufklären muss. Zuletzt tat sie dies auf der CDU-Vorstandsklausur am Wochenende in Kiel . Doch Diskussionen über mögliche Konsequenzen aus der Affäre lässt sie nicht zu.

Die Unionsfraktion hält still

Am Dienstag tagte erstmals seit der Weihnachtspause auch die Unionsfraktion. In der internen Sitzung ging es nur kurz um die Bundespräsidenten-Affäre. Fraktionschef Volker Kauder ( CDU ) dankte den Abgeordneten für ihre bisherige Solidarität mit Wulff. Wortmeldungen zum Thema gab es nicht – auch die wenigen Wulff-Kritiker, die ihren Unmut zuletzt öffentlich gemacht hatten , äußerten sich nicht. Merkel schwieg ebenso, wie Teilnehmer berichten.

Auch bei dezidierten Kritikern des Präsidenten macht sich inzwischen Resignation breit. Es gebe keine neuen Vorwürfe und damit keine "Handhabe" gegen den Präsidenten, heißt es. Im Moment sei zu dem Thema "alles gesagt", der Bundespräsident sei enorm beschädigt aber gleichzeitig gebe es keine Alternative zu ihm. In der Bundesversammlung, die im Falle eines Wulff-Rücktritts ein neues Staatsoberhaupt wählen müsste, fürchtet Schwarz-Gelb um die eigene Mehrheit.

Daher wollen die Abgeordneten sich nun wieder auf andere, politisch wichtige Fragen konzentrieren. In Zeiten der Euro-Krise gebe es da genug, sagen Abgeordnete. Auch Volker Kauder appellierte an die Fraktion, sich jetzt den vielen anstehenden Sachfragen zu widmen. Dafür erhielt er nach Teilnehmerangaben viel Applaus. Der Fraktionsvorsitzende betonte auch, dass die Union trotz Wulff-Affäre in letzten Umfragen zugelegt hatte.