Christian Wulff ist froh, dass er kein König ist. Ein Monarch sei von Geburt an in einer Machtposition und nicht vom Volk legitimiert. Er hingegen habe das große Glück, zu wissen, dass er von der Bundesversammlung gewählt wurde. Könige wie den für Berlin und Brandenburg so prägenden Friedrich den Großen habe er "nie beneidet". So schwierig wie der Preußenkönig, der in diesem Jahr seinen 300. Geburtstag feiert, "habe ich es selbst in den vergangenen Wochen nicht gehabt".

Der Bundespräsident ist am Sonntagvormittag zu Gast in der ZEIT-Matinee im Berliner Ensemble. Eigentlich wollte er mit ZEIT-Herausgeber Josef Joffe über "die Deutschen, ihre Identität und Rolle in Europa " sprechen. Seit einem halben Jahr stand der Termin fest, lange vor der aktuellen Affäre um Hauskauf , reiche Freunde und möglicherweise bestechliche Mitarbeiter.

Doch nun sieht sich der Bundespräsident sogar damit konfrontiert, dass gegen enge Vertraute aus seiner Zeit als Ministerpräsident in Niedersachen neue Vorwürfe erhoben werden. Es geht um die Finanzierung des Sponsorentreffens "Nord-Süd-Dialog". Viele politische Beobachter sprechen diesen neuen Vorwürfen das Potenzial zu, Wulff endgültig ins Straucheln bringen zu können.

Bundespräsident - Wulff zeigt sich trotz der Vorwürfe gegen ihn gelassen

Vielleicht ahnt das auch der Bundespräsident. Wenn es so ist, will er es sich nicht anmerken lassen: Um punkt elf Uhr betritt er den Berliner Theatersaal und lächelt den rund 700 versammelten Journalisten und Gästen zu. Dann setzt sich Wulff in den schweren Ledersessel auf der Bühne, schlägt die Beine übereinander und faltet die Hände im Schoß. Äußerlich wirkt er ruhig und gelassen. Später wird er sagen, er habe "nie daran gedacht", diesen Termin abzusagen.

Das Gespräch mit Josef Joffe kommt schnell auf die seit Wochen andauernde Affäre. Wulff kritisiert "Vorverurteilungen". In einem Rechtsstaat gelte für jeden die Unschuldsvermutung, also auch für seinen ehemaligen Sprecher und "Freund" Olaf Glaeseker. Von dem wurde vergangene Woche bekannt , dass er Gratis-Urlaube bei einem Unternehmer verbrachte, mit dem er als Mitarbeiter der Staatskanzlei offenbar geschäftliche Beziehungen unterhielt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Korruption.

"Im Mittelalter wäre man auf dem Scheiterhaufen verbrannt"

Dann versucht sich Christian Wulff in einem Witz. Immerhin lebe er nicht mehr im Mittelalter. "Sonst wäre man vielleicht schon auf dem Scheiterhaufen verbrannt." Aus dem Publikum ist entnervtes Raunen zu vernehmen. Der Präsident lächelt das weg. "Sehr, sehr viel Zuspruch" erhalte er in dieser Krise aus der Bevölkerung. Deswegen wolle er im Amt bleiben. Deswegen habe er auch kein Problem mit anderslautenden Umfragen , wonach die Hälfte der Deutschen seinen Rückzug aus dem Amt für besser halten. Verloren gegangenes Vertrauen könne man durch "persönliche Begegnungen" wiedergewinnen. Die Bürger würden sich immer "ihr eigenes Urteil" bilden, im Moment sei dies vielleicht manchmal durch die "sehr lebhafte Medienberichterstattung" überlagert.