Thomas Schneider seufzt. Er sitzt an einem Kaffeetisch in Burkhardtsdorf im Erzgebirge und klagt das Leid eines enttäuschten Parteimitglieds. Nicht laut und polternd, sondern überlegt und leise. Kernige Parolen sind nicht seins, es hat etwas Pastorales, wenn er erzählt.

Schneider fühlt sich nicht mehr wohl in seiner "politischen Heimat", der CDU. Er ist Kreisrat im Erzgebirge und bekennender Christ. Und deswegen auch in der Union, wegen dem C. Doch das C kann er in seiner Partei oft nicht mehr erkennen, sagt er.

Die Heimat fühlt sich nicht mehr wie zu Hause an. Das war früher anders, sagt Schneider. Nach der Wende war die CDU genau die Partei, die zu ihm passte. Damals fühlte er sich respektiert, damals konnte er noch offen sagen, dass Abtreibung "straffreie Kindstötung" sei. Jetzt werde er dafür schräg angesehen.

Gegen Homo-Ehe und Multikulti

Seine Frustration will Schneider nicht für sich behalten. Deshalb gründete er letztes Jahr die sächsische Filiale der Aktion Linkstrend stoppen, eine Basisbewegung enttäuschter Konservativer in der Union. Die Initiative lebt vor allem vom Dagegen: Sie ist gegen die "Homo-Ehe", gegen "Multikulti", gegen die endlose Euro-Rettung und gegen die Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems.

Die Aktion Linkstrend stoppen entstand als Replik auf die sogenannte Berliner Erklärung, mit der sich die CDU vor zwei Jahren nach links öffnete. Damals verfasste der frühere Bundesparteirichter der CDU Friedrich-Wilhelm Siebeke ein Manifest gegen den Linkstrend. Anzeigen in der FAZ wurden geschaltet. Bismarck-Urenkel Ferdinand oder Werner Münch, ehemals Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, gehörten zu den Unterstützern erster Stunde.

Über 7.500 Menschen haben Siebekes Manifest seither unterzeichnet. Neben Sachsen gibt es Regionalgruppen in Rheinland-Pfalz und Baden Württemberg, in diesem Jahr sollen weitere folgen. Die Aktion lebt von der Unzufriedenheit mit der Merkel-CDU: Elterngeld, Wehrpflicht und Mindestlohn – nach und nach bricht immer mehr von dem weg, was für viele Konservative der "Markenkern" ihrer Partei war. Das wollen sie nicht länger hinnehmen: Auf fast allen CDU-Regionalkonferenzen im vergangenen Herbst machten auch Anhänger der Linkstrend-stoppen-Aktion ihrem Missmut Luft.

Ende Januar geriet Thomas Schneiders sächsische Regionalgruppe dann bundesweit in die Schlagzeilen. Auf ihrer neuen Website verwies sie auf die rechte Wochenzeitung Junge Freiheit und den Anti-Islam-Blog Politically Incorrect, der wegen seiner fremdenfeindlichen Inhalte unter Beobachtung des Verfassungsschutzes steht. Etwas sehr weit rechts für die CDU. Ihr sächsischer Generalsekretär Michael Kretschmer distanzierte sich umgehend: Linkstrend stoppen sei keine Parteiorganisation, sondern "eine Initiative von Bürgern, die auch der CDU angehören".