Der Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland ist rund anderthalb Jahre nach dem Loveparade-Unglück abgewählt worden. Für den Abwahlantrag einer Bürgerinitiative stimmten nach Angaben der Stadt Duisburg 129.833 Wähler. Für seine Abwahl war ein Viertel der Stimmen der 365.000 Wahlberechtigten nötig – rund 91.250. Für einen Verbleib Sauerlands im Amt sprachen sich 21.557 Wähler aus. Seine Amtszeit hätte noch bis zum Spätsommer 2015 gedauert. Jetzt muss innerhalb von sechs Monaten ein Nachfolger gewählt werden.

Eine Bürgerinitiative hatte die Abwahl beantragt . Sie wirft dem Oberbürgermeister Fehler bei der Genehmigung der Großveranstaltung Loveparade und Versagen im Umgang mit den Angehörigen der Todesopfer vor. Unterstützt wurde die Initiative von den Gewerkschaften DGB und ver.di sowie von der SPD , den Grünen und der Linkspartei . Sie hatten Sauerland aufgefordert, die politische Verantwortung für die Tragödie im Juli 2010 zu übernehmen, bei der 21 Menschen ums Leben kamen und mehr als 500 verletzt wurden. Der Oberbürgermeister hatte stets jede Schuld an der Massenpanik von sich gewiesen und einen Rücktritt abgelehnt.

Der Sprecher der Abwahlinitiative, Theo Steegmann, sprach von einem eindeutigen Ergebnis der Abstimmung. "Damit kommt der politische Frieden in die Stadt zurück", sagte er im WDR-Fernsehen. SPD und Grüne begrüßten das klare Ergebnis des Bürgerentscheids.

Schuldfrage bis heute nicht geklärt

Die Schuldfrage ist bis heute nicht geklärt. Sauerland gehört nicht zu den Beschuldigten, gegen die die Staatsanwaltschaft ermittelt. Einen Anfangsverdacht der fahrlässigen Körperverletzung und Tötung haben die Ermittler gegen 17 Personen. Unter den Beschuldigten sind elf Mitarbeiter der Duisburger Stadtverwaltung, fünf des Veranstalters Lopavent und ein Polizeibeamter.

Sauerland war auch in die Kritik geraten, weil er den Verletzten und Angehörigen der Opfer lange eine Entschuldigung verweigert hatte. Erst spät übernahm er die moralische Verantwortung für das Unglück.

Bei den Trauerfeiern war er nicht erwünscht und nahm mit Rücksicht auf die Gefühle der Angehörigen nicht teil. Bei öffentlichen Auftritten war er Buhrufen und Beschimpfungen ausgesetzt, es gab eine Attacke mit Tomatenketchup und sogar Morddrohungen gegen ihn.