Doch es ist genauso richtig, dass man von einer Regierung und einem Minister ein gewisses Mindestmaß an Konsistenz bezüglich des eigenen Handelns verlangen darf. Genau dieses lässt Friedrich in eklatanter Weise vermissen. Denn die Argumentation der Bundesregierung war bisher stets, dass kein Land die gemeinsame Währung aufgeben soll. Rettung innerhalb der Euro-Zone – diese Linie hat Friedrich nun offensichtlich verlassen. Trotzdem will er am heutigen Montag dem Vernehmen nach dem zweiten Griechenland-Rettungspaket zustimmen.

Was den Minister zu seinen Einlassungen getrieben hat, dürften deswegen auch weniger neue ökonomische Erkenntnisse gewesen sein, als die Hoffnung, mit solchen öffentlich vorgetragenen Zweifeln bei den Wählern zu punkten. Das aber ist nicht der Job des Bundesinnenministers.

Man kann wohl vermuten, dass sein Parteichef Horst Seehofer gegen derlei Einlassungen nichts einzuwenden hat, schließlich hat die CSU seit Monaten immer wieder einen Euro-Ausstieg Griechenlands ins Gespräch gebracht. Neu bei Friedrich ist nun allerdings, dass er diesen nicht als letzten Schritt darstellt, sollte Griechenland die vorgeschriebenen Auflagen nicht erfüllen, sondern einen freiwilligen Austritt generell zur besseren Option erklärt.

Friedrich, so hat man den Eindruck, sprach am Wochenende nicht als Innenminister, sondern als CSU-Politiker. Doch derartige populistische Schizophrenie kann und darf eine Regierung sich in einer so wichtigen Frage nicht leisten.