Der CDU-Bundestagsabgeordnete Wolfgang Bosbach hat angekündigt, dem zweiten Rettungspaket für Griechenland nicht zuzustimmen. "Wir marschieren weiter mit großen Schritten in Richtung Haftungsunion und gehen dabei zu Lasten künftiger Generationen Risiken ein, die ich für unvertretbar halte", sagte der Vorsitzende des Bundestagsinnenausschusses.

Der Bundestag stimmt am kommenden Montag über die Entscheidung der Euro-Finanzminister ab, weitere Hilfen in Höhe von 130 Milliarden Euro für das hochverschuldete Land freizugeben.

Bosbach hatte bereits im vergangenen Jahr mit seiner Ablehnung zur Ausweitung des Euro-Rettungsschirms EFSF innerhalb der Union Verstimmungen ausgelöst. Kanzleramtschef Ronald Pofalla hatte seinen Parteifreund deshalb vor anderen Parlamentariern heftig attackiert.

Pofalla beschimpfte Bosbach damals unter anderem mit den Worten: "Ich kann deine Fresse nicht mehr sehen." Der CDU-Politiker entschuldigte sich später für sein Verhalten.

Verbündete für seine ablehnende Haltung findet Bosbach nun beim Bund der Steuerzahler . Der forderte den Bundestag auf, den neuen Milliarden-Hilfen nicht zuzustimmen. "Beim zweiten Griechenland-Paket sind die Steuerzahler einmal mehr die Verlierer", sagte Verbandspräsident Karl Heinz Däke.

"Banken haben Risiko über öffentlichen Sektor entsorgt"

Der Verzicht der privaten Gläubiger auf ihre Forderungen müsse viel höher ausfallen. "Denn schließlich haben die Banken bereits einen erheblichen Teil ihrer Risikopositionen über den öffentlichen Sektor entsorgt", erklärte Däke

Das neue Rettungspaket wird das Risiko für die deutschen Steuerzahler mehr als verdoppeln, berichtet die Welt . Nach eigenen Berechnungen der Zeitung geht die Bundesrepublik etwas mehr als 31 Milliarden Euro an neuen Risiken ein, wenn das Hilfsprogramm im Gesamtumfang von 130 Milliarden Euro bis 2014 vollständig ausgezahlt werden sollte. Bislang habe das Griechenland-Risiko des deutschen Staates knapp 30 Milliarden Euro betragen.

10 Milliarden Euro seien jetzt erstmals für den deutschen Staat tatsächlich verloren, da auch die staatlichen Kreditinstitute wie Landesbanken oder Abwicklungsanstalten vom Schuldenschnitt für die privaten Gläubiger betroffen seien und damit auch die Steuerzahler. Nach der Umschuldung werden die staatlichen Geldhäuser voraussichtlich knapp zehn Milliarden Euro auf ihre Griechenland-Verbindlichkeiten abgeschrieben haben.

Dennoch sagt der finanzpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Gerhard Schick, der Schuldenschnitt für Griechenland reiche nicht aus. "Es wird eine weitere Runde geben, und dann wird auch der Steuerzahler in die Tasche greifen müssen", erklärte er.