Nicht nur an Friedrich zeigt sich: Die beiden kleinen Koalitionspartner, FDP und CSU , liefern sich schon länger einen heimlichen Wettkampf darin, wer die weit verbreitete Anti-Euro-Stimmung in der Bevölkerung besser für sich nutzen kann.

Hinzu kommt, dass seit der Kür von Joachim Gauck der Koalitionsfrieden ohnehin stark gefährdet ist. Philipp Rösler wirkt seither wie aufgeputscht, so als müsste er die vorherige Demütigung seiner Partei nun kompensieren. Die Kanzlerin, der er Gauck aufdrängte, verglich er in einer TV-Runde unlängst indirekt mit einem "Frosch". Kaum ein Tag vergeht seither, an dem nicht ein Christdemokrat murmelt, den Liberalen werde man es schon noch heimzahlen.

Oft wurde der Regierung das Aus prophezeit

Schwarz-Gelb hat also eine Krise. Aber, ach, so neu ist der Befund nun wirklich nicht. Der Streit ist eine der wenigen Konstanten dieses Regierungsbündnisses. Oft schon wurde der Regierung das baldige Aus prophezeit: Insgeheim bereite die Kanzlerin längst Schwarz-Grün oder eine Große Koalition vor, heißt es beinahe täglich. De facto regieren SPD und Grüne ohnehin bereits im Bundesrat und in der Bundesversammlung mit.

Noch aber existiert Schwarz-Gelb. Das Bedürfnis an der Regierungsmacht zu bleiben, hat bislang sämtliche Streitigkeiten und Aversionen überwogen. Ob dies aber bis 2013 so weiter funktioniert, ist fraglich. In wenigen Wochen steht die Abstimmung über den dauerhaften Rettungsfonds ESM an. Auch ein drittes Griechenland-Hilfspaket wird immer wahrscheinlicher.

Gut möglich, dass Merkel dann tatsächlich die Vertrauensfrage stellt. Sollte die Zahl der Abweichler weiter wachsen, ist es gut möglich, dass sich die Union auch faktisch auf die Suche nach einem anderen Koalitionspartner macht. Kanzlerin und Union hat das kakofone Erscheinungsbild der Regierung bisher ja bekanntlich in den Umfragen nicht sonderlich geschadet.