Die Sozialdemokraten in Bayern haben schon so viele bittere Niederlagen gemeinsam einstecken müssen: Franz Maget etwa, der glücklose SPD-Ministerpräsidentenkandidat, der bei der letzten Landtagswahl in Bayern mit 18,6 Prozent abgestraft wurde. Der Rechtsexperte Paul Gantzer – seit 33 Jahren sitzt er im Landtag, seit 33 Jahren immer nur Opposition. Sie und viele andere Gäste an diesem Nachmittag haben über die Jahrzehnte erlebt, dass es für die bayerischen Genossen immer nur eine Richtung gab: die nach unten.

Doch diesmal scheint alles anders zu sein beim Politischen Aschermittwoch der SPD im niederbayerischen Vilshofen . Fanden sonst mal 500, mal 800 Besucher den Weg in den Wolferstetter Keller, so hat die Parteispitze diesmal ein großes weiß-blaues Zelt auf dem Volksfestplatz angemietet, nahe der schon mächtig breiten Donau .

Zuerst war es für 2.000 Besucher geplant, dann wurde es für 3.000 erweitert – am Ende finden gar 3.500 Platz. Sehr viel mehr, so wird gemutmaßt, dürften es bei der CSU im nahen Passau auch nicht sein.

Die neue Hoffnung der Bayern-SPD hat einen Namen. Er ist auf Bierdeckel gedruckt, auf die die Bedienungen im Dirndl schon am Morgen reihenweise das Weißbier stellen, und er steht auf einem Plakat der SPD Main-Spessart: " Ude muss in die Bude." Gemeint sind damit die bayerische Staatskanzlei und der SPD-Spitzenkandidat Christian Ude, derzeit noch Oberbürgermeister von München .

" Seehofer scheut das Duell mit Ude "

Die SPD-Strategen haben ebenfalls dazugelernt: Hunderte rote SPD-Fähnchen werden geschwenkt, als die Parteiprominenz einmarschiert – neben dem 64-jährigen Ude auch der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel sowie Landeschef Florian Pronold.

"Auf geht’s!", ruft die Generalsekretärin Natascha Kohnen, sie hat durchaus Einheizer-Qualitäten. Pronold wiederum gibt die sozialdemokratische Grundmelodie für den Wahlkampf bis zur Landtagswahl im Herbst 2013 vor: "Bayern ist zu schön, um es der CSU zu überlassen." Und: "Wir sind die Bayern-Partei von morgen."

Hohn und Spott ernten die Christsozialen für ihre Entscheidung, den einstigen Regierungschef Edmund Stoiber als zweiten Hauptredner für ihre Veranstaltung "ausgegraben" zu haben, wie Pronold es sagt. SPD-Chef Gabriel glaubt den Grund zu kennen: "Der Seehofer scheut doch das direkte Aschermittwochsduell mit Christian Ude."

Der SPD-Herausforderer selbst wird stehend und frenetisch beklatscht, immer wieder erschallen "Ude, Ude"-Rufe. Er betritt im dunkelgrauen Janker die Bühne. Und sagt, dass er zwar schon 45 Jahre für die SPD aktiv sei, "aber eine solche Veranstaltung noch nie erlebt" habe. Er mokiert sich über die CSU, die in Passau die SPD als "Scherbenhaufen" bezeichnet hat und lacht: "Das ist der schönste Scherbenhaufen, den es gibt."