Die Spitzen von Union und FDP haben zwar bereits über die Nachfolge von Christian Wulff als Bundespräsident beraten. Das Treffen im Kanzleramt endete am Samstagvormittag nach nur zwei Stunden. Vor Sonntagabend wird es aber wohl keine Entscheidung geben, heißt es sowohl aus Koalitions-, wie auch aus Oppositionskreisen. Das berichten dpa und Reuters übereinstimmend. Einige mögliche Kandidaten, die zuvor genannt worden waren, haben mittlerweile ausgeschlossen, sich zur Wahl zu stellen.

Die Opposition soll in die Kandidatensuche einbezogen werden. Einen Kandidaten von Gnaden der SPD werde es jedoch nicht geben, sagte Unionsfraktionschef Volker Kauder – schließlich gebe es eine schwarz-gelbe Mehrheit in der Bundesversammlung.

Der Kreis der Kandidaten, die für die Koalition infrage kämen, hat sich nach Informationen der dpa "deutlich gelichtet". So sei der frühere Bundesumweltminister Klaus Töpfer aus dem Rennen. Für Joachim Gauck scheine sich innerhalb der Koalition ebenfalls keine Mehrzeit zu finden. Und auch der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Andreas Voßkuhle, steht nicht zur Verfügung. Auf ihn hätten sich die Spitzen von Union und FDP schon geeinigt, erfuhr die dpa am Samstag. Voßkuhle habe aber nach kurzer Bedenkzeit abgesagt.

Auch Bundestagspräsident Norbert Lammert ( CDU ) habe abgesagt, berichtete die dpa unter Berufung auf mehrere Quellen in Berlin und München .

Neu im Rennen ist der evangelische Bischof Wolfgang Huber, berichtet die dpa. Der 69-Jährige war bis 2009 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland und stehe der SPD näher als der Union.

SPD und Grüne haben am Nachmittag noch einmal betont, dass sie kein Mitglied des Kabinetts und möglichst überhaupt keinen aktiven Politiker zum Bundespräsidenten machen wollen. In der Koalition waren unter anderem Verteidigungsminister Thomas de Maizière und Finanzminister Wolfgang Schäuble als Kandidaten gehandelt worden. De Maizière selbst hat seine Kandidatur inzwischen als abwegig bezeichnet.

Ein Spitzentreffen zwischen Koalition und Opposition wird es am Samstag nicht geben.

SPD und FDP können sich Gauck vorstellen

Kauder mahnte zudem eine rasche Einigung auf einen Kandidaten an: "Es würde dem Land guttun, wenn wir zu einer schnellen Lösung kämen ." Einig über die Eigenschaften eines Kandidaten scheint die Union aber nicht zu sein. So empfahl Kauder für die Nachfolge einen erfahrenen Politiker. Alle bisherigen Bundespräsidenten hätten Erfahrungen in politischen Ämtern gehabt, bevor sie Staatsoberhaupt geworden seien. Dies sei durchaus ein Vorteil gewesen. Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht hingegen sprach sich für einen Kandidaten aus, der parteiübergreifend getragen werde. Die Haltung des neuen Staatsoberhaupts sollte zu einer neuen Kultur zwischen Politik, Gesellschaft und Medien beitragen, sagte Lieberknecht.

SPD-Vorsitzender Sigmar Gabriel hatte zuvor erneut den ehemaligen Chef der Stasi-Unterlagenbehörde, Joachim Gauck , als Kandidaten vorgeschlagen. "Er ist nach wie vor unser Favorit für dieses Amt", sagte Gabriel. In den anstehenden Gesprächen mit der Koalition wolle die SPD für Gauck werben, aber nicht auf ihm als Kandidaten beharren. Der 72-jährige Gauck war 2010 nach dem überraschenden Rückritt von Bundespräsident Horst Köhler von SPD und Grünen als Kandidat gegen Wulff ins Rennen geschickt worden.