Die deutschen Zeitungen haben recht einhellig auf den Rücktritt von Bundespräsident Christian Wulff reagiert. Der Schritt sei überfällig gewesen, so der Tenor der meisten Kommentatoren . Außerdem: Als Nachfolger solle nun dringend ein überparteilicher Kandidat her.

Dabei müsse der neue Bundespräsident "kein Engel sein", schreibt die Westdeutsche Allgemeine Zeitung . Ein Präsident mit "Anstand" und einem "klaren Kompass" reiche schon. Obwohl die Verantwortung von Wulffs Nachfolger groß sei – denn bei einer weiteren Fehlbesetzung könne man das Amt des Bundespräsidenten gleich abschaffen.

Der Entschluss von Bundeskanzlerin Angela Merkel ( CDU ), den Kandidaten gemeinsam mit SPD und Grünen auszuhandeln, sei daher richtig, urteilt die Neue Presse Hannover . Merkel habe aus ihren Fehlern bei Horst Köhler und Wulff gelernt. Der neue Kandidat müsse deshalb über den Parteien stehen, in etwa wie der ehemalige DDR-Bürgerrechtler Joachim Gauck , Wulffs ehemaliger Gegenkandidat. Gesucht sei "eine Art  Super-Gauck".

Dieser Meinung ist auch die Berliner Zeitung . Bislang seien Präsidentenwahlen machtpolitisch bestimmt gewesen. "Nach zwei Pleiten" sei es an der Zeit, "mit dieser Tradition zu brechen". Weder ein Kandidat aus Reihen der Regierung noch aus der Opposition solle nominiert werden. Der neue müsse einer sein, der zu Nähe fähig ist, aber Distanz zu wahren weiß". Letzlich also: "Ein Mann, oder eine Frau, egal. Bloß kein Wulff ."

Ob der neue Präsident jedoch viel Einfluss hätte, bezweifelt die tageszeitung ( taz ) aus Berlin . Wulffs Abgang sei zu bedauern, denn in seiner Präsidentschaft hätte "viel Potenzial" gesteckt, Integration und neue Familienkonzepte seien wichtige Themen seiner kurzen Amtszeit gewesen. Nun jedoch stärke der Rücktritt letztlich Merkel, die zu einer "Kanzlerpräsidentin" aufsteige, urteilt die Zeitung. Merkel gelinge es einmal mehr, aus dem Niedergang eines Parteikollegen politisch Kapital zu schlagen.