Die Frankfurter Allgemeine Zeitung widmet sich der nun amtierenden Ministerpräsidentin Hannelore Kraft. "Früher als erwartet muss Hannelore Kraft die Konsequenzen daraus ziehen, dass sie aus der Landtagswahl von 2010 – wie sie selbst sagt – nicht als Siegerin, sondern als Verlegenheitsministerpräsidentin hervorgegangen ist", schreibt der Autor. Bis zum Mittwoch habe sie diesen Nachteil dadurch ausgleichen können, dass sie den Eindruck vermittelte, Handlungsfähigkeit zu beweisen. Die Opposition hielt sie mit der für sie gefährlichen Neuwahl gefügig. "Frau Kraft kam entgegen, dass sie solche Neuwahlen nicht fürchten musste. Dank starker Grüner hat sie in Umfragen seit der Bildung ihrer Minderheitsregierung eine Mehrheit im Land."

Die Frankfurter Rundschau meint, dass Hannelore Kraft von der aufreibenden Zeit an der Spitze der Minderheitsregierung am meisten profitiert hat. "Nicht nur in der SPD fliegen der zupackenden Frau mit dem schnoddrigen Ruhrgebietsakzent die Herzen zu", schreibt der Autor. "Auch bei der Bevölkerung zwischen Aachen und Münster hat sie als Landesmutter viele Sympathien gesammelt. Dass sie sich nach ihren irritierenden anfänglichen Versuchen, den Sozialstaat auf Pump aufzupäppeln, nun zur Schuldenbremse bekennt und stolpert, weil sie einen moderaten Sparhaushalt einbrachte, wird ihrem Image sicher nicht schaden."

Die Süddeutsche Zeitung macht auf die Probleme aufmerksam, die das Regieren mit einer parlamentarischen Minderheit mit sich bringt. "Eine Minderheitsregierung mutet auch den besten Demokraten oft zu viel zu", heißt es dort. Es gehe in einem Landtag nicht bloß um die Frage, wie viel Planstellen die Polizei braucht, oder ob ein Land Sozialtickets für den Nahverkehr schafft. "Es ist doch naiv zu glauben, eine Oppositionsfraktion könne schon glücklich sein, wenn sie der Regierung so etwas mal abringt."

FDP in der Zwickmühle

Eine Opposition ist dazu da, die Regierung unter Druck zu setzen." Eine Minderheitsregierung dagegen sei "Moderator des Übergangs, mehr nicht". Sie entstehe dann, wenn es für herkömmliche Bündnisse keine Mehrheit gibt, wenn eine große Koalition entweder für CDU oder für SPD nicht opportun ist und wenn Politiker sich zu lagerübergreifenden Bündnissen nicht trauten.

Aus Sicht der Mittelbayerischen Zeitung war der Versuch, die FDP zur Zustimmung zum rot-grünen Haushalt zu bewegen, von vornherein zum Scheitern verurteilt. "Die Landes-FDP unter ihrem Vorsitzenden und Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr bekam auf diese Weise nur die Wahl zwischen Pest und Cholera serviert", heißt es in dem Kommentar. "Hätte die NRW-FDP die Hand für den Kraft-Haushalt gehoben, hätte sie sich unglaubwürdig gemacht, hätte man ihr vorgeworfen, sie klebe nur an den weichen Abgeordnetensesseln." Dass sich die Liberalen, die einst im Land zweistellige Wahlergebnisse hatten, nun für eine Neuwahl entschieden, bringe sie dem politischen Abgrund noch näher. "Aus Mut wird schnell Übermut."

Röttgen als Oppositionsführer?

Die Leipziger Volkszeitung blickt nach Berlin, wo sich die Neuwahl auch auswirken wird. Der Kommentator beschreibt Probleme gleich auf mehreren Ebenen und beleuchtet auch die Krux, in der sich der christdemokratische NRW-Landeschef und Bundesumweltminister Norbert Röttgen befindet: "Führungslos treiben die Schifflein herum, wohin man sich auch wendet. Ob in Nordrhein-Westfalen oder im Schloss Bellevue, ob in Kiel, Saarbrücken oder bei Philipp Rösler im FDP-Hauptquartier. Die Kanzlerin begrüßt vorab Neuwahlen. Eine Forderung, die man langsam aber sicher auch für den Bund stellen sollte."

Der Blick auf die "momentan handlungsunfähige Bundesregierung" zeige, dass Kanzlerin Angela Merkel nur in Popularitätsumfragen gut dastehe, nicht aber in der Sache. "Und Norbert Röttgen, einst 'Merkels Klügster', wirkt noch bedröppelter als FDP und (Ministerpräsidentin) Kraft zusammen. Er muss jetzt nach Düsseldorf, wenn es dumm läuft, auf den Platz des Oppositionsführers.