Bundeskanzlerin Angela Merkel ( CDU ) hat angekündigt, mit Norbert Röttgen über seine Doppelrolle als Bundesumweltminister und Spitzenkandidat der CDU in Nordrhein-Westfalen zu reden. "Wie er diese Rolle am allerbesten ausfüllen kann, werde ich mit ihm selber besprechen", sagte die CDU-Vorsitzende. Eine öffentliche Stellungnahme zu Forderungen, Röttgen solle ganz in die Landespolitik wechseln, lehnte Merkel ab.

Röttgen war von mehreren Unionspolitikern aufgefordert worden, sein Ministeramt aufzugeben und ganz in die Landespolitik zu wechseln. Röttgen müsse auch bei einer Niederlage bei der Landtagswahl im Mai dann als Oppositionsführer nach Düsseldorf gehen, sagte CSU-Chef Horst Seehofer . "Ich bin der Meinung – voll für NRW ." Der wirtschaftspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Joachim Pfeiffer, sagte: "Eine Chance, in Nordrhein-Westfalen zu gewinnen, hat nur ein Kandidat, der sich ganz und gar der Sache verschreibt."

Röttgen selbst hat bisher offengelassen, was er im Fall einer Wahlniederlage tun will. Er wolle Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen werden, hatte er gesagt. Was im Fall einer Wahlniederlage passieren wird, müsse seine Partei entscheiden.

Der münsterländische CDU-Bundestagsabgeordnete Jens Spahn verbat sich aber die Einmischung der CSU in den NRW-Wahlkampf. Röttgen kämpfe "mit vollem Einsatz um die Pole Position", sagte Spahn der Zeitung Die Welt . "Da brauchen wir keine neunmalklugen Ratschläge aus dem Süden."

FDP überrascht mit Lindner

In Nordrhein-Westfalen sind vorgezogene Neuwahlen notwendig geworden, nachdem der Haushaltsplan der bisherigen rot-grünen Minderheitsregierung am Mittwoch von der Opposition im Landtag abgelehnt worden war. Der neue Landtag wird nach einem Beschluss der Landesregierung am 13. Mai gewählt. Damit werde nach der Landtagsauflösung die Frist für Neuwahlen ausgeschöpft, teilte Innenminister Ralf Jäger ( SPD ) mit.

Überraschend hatte die FDP am Donnerstagabend angekündigt, mit dem zurückgetreten Generalsekretär Christian Lindner als Spitzenkandidat in den Wahlkampf zu ziehen. Der 33-Jährige soll zugleich Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr als FDP-Landeschef ablösen. Die Liberalen haben derzeit allen Umfragen zufolge keine Chance auf einen Wiedereinzug in den Landtag .

Die Grünen kritisierten Lindners Nominierung. "Christian Lindner ist schlecht für Nordrhein-Westfalen", sagte der NRW-Landesvorsitzende Sven Lehman. In Berlin sei er bis zu seinem Rücktritt als FDP-Generalsekretär vor drei Monaten "zuständig für eine Steuersenkungsorgie im Bund" gewesen.